Christina S. (August bis September 2016)

Wie man auf diesen Fotos unschwer erkennen kann, sind die Kindergartenkinder der St. Mauritz Nursery School Obiya Palaro unbeschwert glücklich und neugierig.

Über diese und viele andere Erlebnisse und berührende Eindrücke möchte ich Ihnen in diesem Artikel berichten.

Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen. Ich heiße Christina (in Uganda wurde ich immer Kristin genannt), bin 18 Jahre alt und komme aus Münster. Schon immer habe ich davon geträumt, den afrikanischen Kontinent zu bereisen, vor Ort zu helfen und hautnah zu erfahren, wie die Menschen dort leben. Nun war es also im August 2016 so weit, dass ich diese Erfahrungen endlich in Uganda sammeln durfte.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich und herzlich bei der Uganda-Hilfe St. Mauritz e.V. bedanken. Ein ganz besonderer Dank gilt auch allen Freunden und Förderern, die dieses Projekt unterstützen und durch die es möglich ist, vielen Menschen dort einen einfacheren Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung zu gewährleisten.

Ebenfalls bedanke ich mich von ganzem Herzen bei Father Cyprian, der mich sehr gastfreundlich empfangen und beherbergt hat. Er hat mir außerdem die ugandische Lebensweise gezeigt und nahegebracht. (APWOYO MATEK PI JOL MA OJOLA PI KARE MA ABEDO KANY!)

Wenn ich mich jetzt, nachdem mich in Deutschland schon wieder der Alltag gefangen hat, an all die wundervollen Erlebnisse erinnere, kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen.

Am 8. August stieg ich mit großer Vorfreude und angenehmer Nervosität in das Flugzeug und wurde am nächsten Tag sehr herzlich von meiner afrikanischen Freundin Kevin und dem Gemeindepriester von Obiya Palaro Father Cyprian in Empfang genommen.

Schon auf der siebenstündigen Autofahrt von Entebbe nach Gulu beobachtete ich gespannt die vielen Menschen bei ihrem Alltag. Diese verkauften alltägliche Waren an den Straßen, spazierten von Dorf zu Dorf, trieben Rinder an, kochten oder transportierten Wasser in Kanistern auf ihren Köpfen. Ich sah Kinder, die alte Gummireifen mithilfe von Stöcken vor sich her rollten, die zusammen spielten, die auf Feldern arbeiteten, die Teigwaren verkauften.

All das beeindruckte mich sehr. Es entsprach genau den Bildern, die man aus dem Fernsehen kennt. Doch ich konnte mir noch nicht ausmalen, wie es sich anfühlen musste, so zu leben.

Als wir spät abends Gulu erreichten, realisierte ich erstmals, dass ich 9.000 Kilometer von zuhause entfernt war und dass das Leben dort ein ganz anderes ist. Vor allem in den ersten drei Wochen musste ich mich an die Lebensart, an das Klima und an die Versorgung gewöhnen. Und auch mein Körper versuchte, sich dem ugandischen Alltag anzupassen, wobei ich am Anfang mit so vielen Eindrücken und Erfahrungen „bombardiert“ wurde, dass ich mich oft müde und schlapp fühlte.

Die ersten drei Wochen verbrachte ich also damit, mich an die Umstellung zu gewöhnen und viele neue Leute kennenzulernen. Ich besuchte alle Schulklassen der St. Mauritz Nursery und Primary School, stellte mich der Gemeinde in den drei sonntäglichen Gottesdiensten vor, indem ich mich auch schon an ein paar wenigen Sätzen in der Stammessprache (Luo) versuchte, und ich lernte auch die umliegenden Gemeinden und vor allem deren Priester kennen, mit denen wir oft Ausflüge machten und viel Spaß zusammen hatten.

Wie oben schon erwähnt, war es anfangs auch schwierig, sich an das Klima zu gewöhnen. Die Wärme und der Sonnenschein bei 30 Grad Celsius waren sehr angenehm, wenn auch bei körperlicher Anstrengung mit einer langen Jeans nicht so gut auszuhalten. Allerdings regnete es täglich oft mehrere Stunden und kühlte dann urplötzlich auf 15 Grad Celsius runter, sodass es dann doch sehr frisch war und ein grippaler Infekt mich auch in den ersten vier Wochen ein wenig einschränkte.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich immer eine lange Hose getragen habe. Nun ja, das hatte einen einfachen Grund: Ich besaß zu der Zeit keine langen Kleider oder Röcke und der Tradition nach trägt man dort keine Shorts. Auch die Männer in Gulu tragen immer lange Hosen.

Für die Menschen vor Ort ist die halbjährige Regenzeit sehr wichtig, da es das fruchtbare halbe Jahr ist. Gerade im August und September werden Avocados, Ananas,  Wassermelonen, Passionsfrüchte, Süßkartoffeln und vieles mehr geerntet. Die Früchte sind sehr lecker, da sie frisch und reif direkt auf den Tisch kommen. Dort wird nicht aussortiert oder mit chemischen Mitteln gedüngt. Man erntet, was vorhanden ist und freut sich über jede Frucht, auch wenn sie hier und dort vielleicht ein paar dunkle Stellen hat. In der Erntezeit wird dann meist sehr einseitig gegessen. Zum Beispiel gab es bei mir im September mittags und abends ausschließlich helle Süßkartoffeln und kleine, braune Bohnen.

Die Regenzeit ist aber nicht nur für die Lebensmittelversorgung enorm wichtig, sondern auch um die Menschen mit ausreichend Wasser zu versorgen. Manche Haushalte sind schon mit fließendem Wasser ausgestattet (keine sanitären Anlagen wie wir sie kennen, aber zumindest mit einem Wasserhahn, aus dem Wasser entnommen werden kann). In der Trockenzeit kann es allerdings passieren, dass der See, aus dem die ganze Stadt mit Wasser versorgt wird, austrocknet und auch die städtisch modernen Menschen wieder mit Kanistern das Wasser aus Brunnen und Pumpanlagen schöpfen und vor allem transportieren müssen. Auch ich habe mich daran versucht, einen Wasserkanister auf meinem Kopf zu transportieren, bin jedoch grandios gescheitert.

Ebenfalls erwähnenswert ist auch, dass Lebensmittel, egal ob Früchte, Gemüse, Getreide oder Fleisch eigentlich immer unverpackt verkauft werden und dementsprechend auch nicht viel Müll anfällt. Der Plastik- und Papiermüll, der sich aus wenigen Verpackungen oder Plastikflaschen ansammelt, wird nach einiger Zeit auf eigenem Grundstück verbrannt. Die Lebensmittel werden oft nicht gekühlt gelagert, da es in vielen Wohnhütten keine Stromversorgung geschweige denn einen Kühlschrank gibt.

Mit der Stromversorgung in Gulu, also der größeren Stadt nicht weit vom St. Mauritz Zentrum in Obiya Palaro, sieht es ein wenig anders aus. In den meisten Haushalten gibt es keinen Stromanschluss, vor allem in den Dörfern nicht. Doch ein paar Geschäfte und die großen Straßen Gulus bekommen Strom. Es gibt nur einen Stromanbieter und wenn ein Gewitter angekündigt ist oder es anfängt, zu regnen, kappt die Stromgesellschaft die Verbindung und es kann passieren, dass die ganze Stadt für ein paar Stunden bis hin zu mehreren Tagen im Dunkeln ist.

In St. Mauritz sind wir allerdings über Solaranlagen immer mit Strom versorgt und auch das Wasser wird in großen Aufbereitungsbehältnissen gereinigt und in einem ewigen Kreislauf immer wieder verwendet.

An den „Straßen“ (wenn man die erdigen, hügeligen Wege so nennen möchte) gibt es keine Straßenbeleuchtung und weil es in Uganda eigentlich immer so ab 18 Uhr ganz schnell dunkel wird, habe ich auch meistens versucht, vor  Einbruch der Dunkelheit in St. Mauritz zu sein oder mir zumindest eine sichere Fahrgelegenheit organisiert, da weiße junge Mädchen für die Ugander auch nicht uninteressant sind.

Die Strohdächer der Wohnhütten bestehen aus Gras bzw. Stroh und Bambuszweigen und sind wie auch die Lehmwände meist selbst gebaut. Manchmal findet man ganze Familien, die in solch einer kleinen Hütte leben. Darin befinden sich u.a. oft nur zwei  herkömmliche Einzelbetten, auf denen eine sechsköpfige Familie nachts schläft.  

Die größere Stadt Gulu ist von unserem Projekt zu Fuß etwa 40 Minuten entfernt. Mit einem Boda Boda (einem typischen Motorrad-Taxi) sind es nur 12 Minuten Fahrzeit. In Gulu und den um-liegenden Dörfern leben ca. 140.000 Menschen. Das Zentrum ist technisch auch schon relativ weit fortgeschritten und modern, während die Menschen in den Dörfern noch unter sehr ärmlichen Bedingungen leben.

In Gulu gibt es ein großes Marktgebäude, in dem viele Frauen alltägliche Nutzgegenstände, Lebensmittel und Stoffe verkaufen. Es gibt einige Reihen, in denen sich ca. 15 verschiedene kleine Stände befinden, an denen die Produkte der jeweiligen Ernteperiode verkauft werden, und viele kleine Räume, in denen bunte Stoffe aus diversem Material und mit verschiedenen Mustern verkauft werden. Große Käfige, in denen Hühner oder Ziegen darauf warten, verkauft zu werden, Tische, auf denen unendlich viele tote oder getrocknete Fische liegen, viele altmodische Nähmaschinen, an denen Schneider und Schneiderinnen sitzen und auf Wunsch traditionelle Kleidungsstücke anfertigen. Auch ich habe mir zwei hübsche Kleider anfertigen lassen.

Aber auch an den Straßen Gulus gibt es viele Verkaufsläden, kleine Apotheken, Mobilfunk Anbieter, Motorrad Werkstätten, Sport-Wett-Stellen, Tankstellen und sogar kleine Supermärkte (von der Größe her vergleichbar mit unseren „Tante Emma Lädchen“). Diese sogenannten Supermärkte werden sogar von bewaffneten Sicherheitsbeamten bewacht. Die Kriminalitätsrate in Uganda ist vergleichsweise hoch und leider sind einige (vor allem ältere Männer) fast immer betrunken.

Insgesamt ist Gulu eine sehr belebte Stadt mit vielen Menschen und viel Verkehr.

Wie Luzia in ihren Berichten schon erzählte, herrschte in Uganda bis vor 10 Jahren noch ein heftiger Bürgerkrieg. Davon erholt sich das Land zwar, ist aber doch noch weit zurück, wenn man es mit den europäischen Standards vergleicht. Sowohl die hygienischen und medizinischen Bedingungen, die Versorgung mit Lebensmitteln als auch die Bildung sind bisher zwar noch nicht auf europäischen Standard, aber man spürt, dass ein fortschrittliches Denken aufkommt und sich das Land in großen Schritten weiterentwickelt.

Dazu wird allerdings jede Hilfe benötigt. Und deshalb an dieser Stelle auch noch einmal einen herzlichen Dank an alle Unterstützer dieses Projekts!

In meinem ersten Monat habe ich morgens in der Nursery School (eine Art Vorschul-Kindergarten) geholfen und den vier- bis fünfjährigen Kindern in Form von Liedern, Spielen und Wiederholungsübungen die englische Sprache beigebracht. Diese kleinen Kinder haben mich am allermeisten beeindruckt.

In meinem ganzen Aufenthalt habe ich nur ein Kuscheltier, nur ein Spielzeug, gesehen. Das war ein kleiner Teddybär mit einer Kette aus bunten Perlen. Ansonsten haben die Kinder unglaublich gerne zusammen gesungen und getanzt, haben mit kleinen Kieselsteinen gespielt oder, sofern das möglich war, kleine Burgen aus der roten, sandigen Erde gebaut. Einige nutzten gerne die Spielmöglichkeiten, die es auf dem Schulhof gibt, wie Rutschen und ein kleines Karussell. An meiner weißen Haut(-farbe) waren die Kinder auch sehr interessiert. Sobald die Möglichkeit bestand, rannten sie auf mich zu und wollten alle meine Hände berühren.

Vor allem das fröhliche und unbeschwerte Lächeln dieser Kinder  berührte mich sehr. Es geht ihnen nicht darum, ein neues Spielzeug zu bekommen. Sie denken nicht an die neuesten Gameboy Spiele oder an ein eigenes Fahrrad. Sie freuen sich darüber, dass sie zur Schule gehen dürfen und ihre Eltern das Schulgeld in diesem Jahr aufbringen können.

Das mit dem Schulgeld ist auch noch ein wichtiges Thema. Sehr häufig entspricht das Schulgeld pro Trimester (ein Schuljahr ist dort in Trimestern eingeteilt) pro Kind etwa einem Monatslohn des Vaters (wenn er einen richtigen Job hat, also Lehrer oder Polizist ist). Wenn man jetzt bedenkt, dass die meisten Familien in Uganda etwa sechs bis acht Kinder haben, ist sofort klar, dass es schwierig ist, jedem Kind eine Schulausbildung zu ermöglichen.

In der ersten Woche nach den ugandischen Ferien kam ich in die Vorschulklasse und bemerkte, dass nur ca. 30 Kinder in dem sonst mit 70 Kindern überfüllten Klassenraum da waren. Auf die Frage nach dem Grund dafür, wurde mir gesagt, dass die Schülerinnen und Schüler aussortiert und nach Hause geschickt wurden, wenn das nötige Schulgeld noch nicht gezahlt wurde.

Nachmittags unterrichtete ich häufig in der siebten Klasse der St. Mauritz Grundschule Englisch. An dem Bildungssystem muss nach meiner Meinung definitiv auch noch gearbeitet werden. Zum einen ging es in der Schule sehr chaotisch zu: Stundenpläne wurden nicht eingehalten, Unterrichtsstunden wurden mitten drin abgebrochen und am Ende des Schultages fortgeführt, ursprüngliche Lehreinheiten wurden in Stunden gewandelt, in denen die Schülerinnen und Schüler das Gras auf dem Sportplatz und dem Schulhof mithilfe von Sensen kürzen sollten, und auch die festgelegten Prüfungstage wurden spontan verschoben – alles sehr afrikanisch.  Zum anderen sind sowohl  der Inhalt der Lehreinheiten als auch  die Prüfungsmethoden oftmals keine besonders ergiebigen Mittel, Kindern eine gewisse Allgemeinbildung mitzugeben und zu vermitteln. Da fällt mir eine kleine Geschichte ein:  Eine Lehrerin erzählte den Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse, nachdem ich ein wenig über unsere Jahreszeiten erzählt hatte, dass sich in Deutschland alle Menschen inklusive der Männer im Winter die Nägel lackieren würden, um diese vor Kälte zu schützen. Da konnte ich dann doch klarstellen, dass dies nicht der Fall ist.

Insgesamt habe ich also beobachtet, dass das ugandische Schul- und Bildungssystem noch viel Fortschritt bedarf und vor allem auch die Lehrer, die ihren Unterrichtsstoff eins zu eins einem einzigen Lehrbuch entnehmen, oft selbst nicht ausreichend ausgebildet sind. Außerdem muss man noch hinzufügen, dass die Arbeitslosenquote in Uganda sehr hoch ist. Auch wenn die Kinder also eine gute Schulausbildung genießen und abschließen, finden sie zunächst keine Arbeit und behelfen sich mit ein paar Überbrückungsmonaten als Motorrad-Taxifahrer.

Mein zweiter Monat begann dann mit einem Kurztrip zum größten ostafrikanischen Nationalpark, dem Murchison Falls Park. Das war ein aufregender Tag. Wir, also meine Freundin Kevin, Father Cyprian und ich, fuhren mit unserem Jeep durch den über 3.800 km² großen Park und sahen viele wildlebende Tiere. Zunächst sahen wir nur Unmengen an Büffeln in einer Herde und Antilopen in kleineren Gruppen. Aber nach einiger Zeit und auf unserer Rundfahrt mit einem Guide begegneten uns auch die Giraffen, vereinzelt auch kleine Äffchen und dann endlich auch meine Lieblingstiere, die Elefanten. Ein Elefantenbulle stand sogar mitten auf dem Feldweg und wir waren ihm mit dem Auto so nahe, dass er sich sogar aufbäumte und laut trompetete. Auf meiner Bootsfahrt auf dem Nil sah ich viele Nilpferde und verschiedene Vogelarten. Zum Schluss stieg ich noch etliche Treppen, um bis an den höchsten Punkt der Murchison Falls, also der Wasserfälle zu gelangen und genoss von dort oben den unfassbaren Ausblick und die Geräuschkulisse des tosenden Wassers.

Als wir am nächsten Tag wieder zurück in Gulu waren, fing ich an, im Health Centre, also auf der Krankenstation bzw. Medizinstation zu helfen, in der Luzia auch gearbeitet hatte.

Auch dort freundete ich mich schnell mit den Krankenschwestern, dem Laborarbeiter und dem Arzt an und versuchte, die Patienten auf der traditionellen acholischen Sprache in Empfang zu nehmen. Teilweise war es echt schwierig die Antworten zu verstehen, wenn ein kleines Kind seinen Namen so vor sich hin nuschelte oder eine ältere Dame in ihrem alltäglichen Akzent die Wörter so schnell es ging aneinanderreihte. Aber nach und nach gewöhnte ich mich auch daran. In den allermeisten Fällen kamen Patienten mit Malaria zu uns, was vielleicht vergleichbar ist mit unserem Anteil an Patienten mit grippalem Infekt. Natürlich sind die Krankheiten keineswegs vergleichbar, da eine Malaria sehr schlimme Folgen mit sich tragen kann und nur mit richtiger medizinischer Behandlung auf eine Besserung gehofft werden kann. Die Arzneimittel sind auch nicht für alle Menschen erschwinglich, weshalb viele Mütter mit ihren Kindern erst sehr spät einen Arzt aufsuchen und diese behandeln lassen.

Mittwochs bin ich mit meiner Freundin Grace immer zum Impfen in umliegende Dörfer gefahren. Dort haben wir die Menschen aufgeklärt und Erwachsene oft gegen Tetanus geimpft. Im September haben wir von der Stadt den Hepatitis B Impfstoff erhalten und daraufhin etliche Schulklassen damit geimpft, nachdem jeder einzelne sein Blut auf Hepatitis B testen lassen musste.

Kleinere Operationen wurden auch ambulant und ohne Betäubung im Health Centre durchgeführt. Im Health Centre haben wir keinen offiziellen Arzt, sondern „nur“ einen Medical Officer, also einen medizinisch ausgebildeten jungen Mann, der noch darauf wartet, sein Studium anzufangen. Doch die Universitätskosten übersteigen das zur Verfügung stehende Vermögen.

An die Medizinstation anschließend befindet sich auf unserem Gelände auch noch eine Geburtsstation für werdende Mütter und ab und zu werden dort auch Patienten mit einer schweren Malaria beherbergt, wenn sie an den Tropf müssen.

Ich habe dort viele junge schwangere Mädchen gesehen. Aufgeklärt über Verhütungsmittel waren die in keinem Fall und meistens brechen sie dann schon nach der Grundschule, also nach der siebten Klasse ihre Schulausbildung ab und gründen eine Familie.

Deshalb und weil die Mädchen sich auch zuhause schon im jungen Alter um den Haushalt kümmern müssen und die schulische Ausbildung oft nicht zu Ende bringen können, haben wir in St. Mauritz  nun eine Beherbergungsstätte für ca. 200 Mädchen eingerichtet, die dann dort vor Ort leben können und versorgt werden (quasi wie ein Internat).

Geld sparen viele Ugander auf ihrem Handy und können mit diesem mobile money sowohl kleinere Kredite aufnehmen, als auch in Hotels oder anderen Einrichtungen damit zahlen. Das monatliche Gehalt wird teilweise an zwei Terminen im Monat bar gezahlt, damit man schon mal für die nächsten zwei Wochen versorgt ist.

Aber das allermeiste, was zum Leben gebraucht wird, wird auch nicht gekauft, sondern selbst angebaut, geerntet, gehütet oder geschlachtet. Damit wären wir wieder beim Essen. Ich, als Vegetarierin, bin zwar gut mit dem Essen klargekommen, aber es gab vor allem, wenn man Gäste empfing oder bei anderen zu Gast war, hauptsächlich Fleisch. Im Gegensatz zu den westlichen Massentierhaltungen und Fleischproduktionen leben die Hühner, Hähne und Ziegen aber bei einem selbst und wenn man Appetit darauf hat oder, wie gesagt, Besuch erwartet wird, wird das Huhn eben geschlachtet und gerupft oder die Ziege gehäutet und über ein Feuer gehangen.

Gekocht wird dort selbstverständlich nur über dem Feuer. Manche sammeln Feuerholz, manche verbrennen aber auch Holzkohle, die sehr riskant transportiert wird. Gegessen wird dann mit den Händen, die vor jeder Mahlzeit ordentlich gewaschen werden. Die Frauen sitzen meistens auf dem Boden, während die Männer auf Stühlen sitzen dürfen. Die für uns unterwürfige Frauenrolle ist in Uganda noch sehr ausgeprägt. Frauen knien bei der Begrüßung eines Mannes oftmals nieder und auch bei einem Gespräch darf die Frau nicht über der Augenhöhe des Mannes stehen.  

Im Übrigen nimmt die Frau in der Regel ihre typische Rolle als Hausfrau und Mutter an. Sie kocht, sie spült, sie putzt, sie wäscht, und sie kümmert sich um die Kinder. Trotz allem sind die Mütter zuhause (nicht in der Öffentlichkeit) dann aber doch der dominantere Part der Familie, weil sie für die Erziehung der Kinder sorgen und diverse Entscheidungen treffen.

Es gibt in Uganda viele gläubige Christen und es ist auch noch so, dass viele Kinder und junge Menschen Gottesdienste besuchen – meist sind es die Mädchen und Frauen. Die Gottesdienste sind aktiver als unsere deutschen Gottesdienste und auch die Musik klingt mit den selbstgebauten Musikinstrumenten sehr schön. Es wird viel geklatscht, gesungen und auch getanzt. Außerdem werden Gottesdienste insofern genutzt, als dass ganze Dörfer sich versammeln und man ihnen einige lebensnahe Ratschläge mitgeben kann oder über anstehende Projekte oder aktuelle Probleme diskutieren kann. Die Priester sprechen in ihren Gottesdiensten häufig zum Beispiel auch an, wie wichtig eine gute Schulbildung ist. Ich habe die Gottesdienste regelmäßig mit Freude besucht und auch ganz besondere Gottesdienste wie eine Ordination, ein Chorjubiläum und das St. Mauritz Fest erlebt. Es ist einfach schön zu sehen, wie die Menschen in ihren hübschen Sonntags- und Festtagskleidern den Gottesdienst besuchen, wie die jungen Mädchen vor dem Altar zum Rhythmus der Musik tanzen und die Menschen begeistert singen und klatschen oder angeregt diskutieren. Gerade bei den Gottesdiensten spürt man auch den Zusammenhalt, den der Glaube uns allen gibt, und die wohltuende Gemeinschaft.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es ein sehr erlebnisreicher Aufenthalt war und ich mir von ganzem Herzen wünsche, dass dieses Projekt von vielen Menschen auch weiterhin unterstützt wird.

Ich weiß, dass es zunächst abstrakt ist, sich vorzustellen wie das gespendete Geld verwendet wird. Aber ich kann nun aus Erfahrung sagen, dass das Geld ankommt und in jedem Fall sinnvoll genutzt wird. Gerade auch der Bau des neuen Krankenhauses wird das Leben der Einheimischen unglaublich verbessern. Ich bin froh, dass wir den Menschen durch medizinische Versorgung, durch den christlichen Glauben und durch eine zukunftsorientierte Bildung eine bessere Zukunft ermöglichen können.

Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und unglaublich viele berührende Eindrücke festgehalten, sei es mit der Kamera oder in meinem Herzen, dass ich diese zwei Monate nicht missen möchte. Auch wenn die ersten Wochen einer kompletten Umstellung bedurften, musste ich gerade in den letzten beiden Wochen feststellen, dass zwei Monate wirklich ein zu kurzer Zeitraum sind, um das ugandische Leben richtig zu genießen. Gerade war ich angekommen und fühlte mich sehr wohl und schon stand auch schon der Rückflug vor der Tür. Die Verabschiedungen waren kaum erträglich und sehr traurig.

Nun, zurück im alltäglichen Geschehen, vermisse ich die fröhlich-freundliche, unbeschwerte Lebensart der Leute sehr und denke oft an die vielen Erlebnisse zurück.  Ich wünsche mir, dass ich meine neugewonnenen Freunde in Zukunft noch häufig besuchen kann und dass ich helfen kann, die Welt ein bisschen zu verbessern oder die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten an einzelnen Stellen ein wenig mindern kann.

Wichtig und schätzenswert sind wirklich – und das habe ich in diesen zwei Monaten noch deutlicher erfahren – Gesundheit, Bildung, Glaube und Familie. Und wenn wir alle nur etwas Kleines geben, können wir damit zusammen etwas Großes bewirken.

Vielen, vielen Dank! APWOYO MATEK!

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