Luzia B. (März bis Juni 2016)

Luzia Bruns – Obiya Palaro Teil 1

„Apwoyo ber!“ und „Wutye maber?“ aus Obiya Palaro in Uganda. Da ich es ja nun keinem vorwerfen kann, dass er oder sie vielleicht kein Acholi versteht, übersetze ich natürlich auch gerne: „Schön euch zu „sehen“! “ und „Wie geht es euch?“. Ich hoffe mal, dass die Antwort jedes einzelnen jetzt „Atye maber.“ lautet.

Mein Name ist Luzia Bruns, ich bin 18 Jahre alt, komme aus Münster und ich bin vor 2 ½ Wochen sicher in Entebbe gelandet und wurde von dort aus auch erfolgreich in den Norden Ugandas, in die Nähe von Gulu verfrachtet.

Hier werde ich nun bis Anfang Juni im Health Center arbeiten, viele Eindrücke sammeln und zwischendurch immer mal meine Freizeit nutzen, um diese Erinnerungen niederzuschreiben.

Wer sich vielleicht fragt, wieso das kleine Örtchen denn nun Obiya Palaro heißt, dem sei gesagt: Weil hier früher ein spezielles Gras wuchs, welches man Obiya nannte. Schon als ich am Abend des 1.März zu später Stunde ankam, fühlte ich mich hier heimisch. Es war zwar dunkel und ich konnte nicht viel sehen, aber es war irgendwie besonders. Es roch anders: nach Hitze und trockenem Boden und ein wenig süß. Es hörte sich anders an. Man hörte die Grillen, den sanften Wind in den fremden Bäumen und von irgendwoher konnte man gedämpft Musik wahrnehmen. Und was für mich am schönsten war, war der klare Sternenhimmel und den Namen darf er hier auch wirklich tragen. Ohne die ganzen Lichter konnte man nämlich wirklich mal viele Sterne sehen.

Und an diesem Ort, der mich ja anscheinend auch im Dunkeln beeindrucken kann, habe ich mich jetzt schon wirklich gut eingelebt.

Die ersten Tage verbrachte ich hauptsächlich damit sehr viele Leute kennenzulernen (und ich muss gestehen: alle Namen sitzen noch nicht), die Sprache (Acholi) zu lernen und mich an die Temperaturen zu gewöhnen (im Moment ist hier Trockenzeit und selbst die Ugander fanden es die letzten Wochen zeitweise unerträglich heiß und wollten sich am liebsten gar nicht mehr bewegen, aber bald sollte das Wetter eigentlich auf den Regenzeit-Modus umschwingen) .

Ersteres absolvierte ich durch viele Besuche in weiteren Gemeinden der Diözese Gulu, das Erkunden der näheren Umgebung, den Besuch meiner ersten afrikanischen Party und den Besuch aller 3 Sonntagsgottesdienste (diese liegen alle direkt hintereinander und dauern zusammen ca. 7,5 – 8 Stunden).

Die Party fand am Donnerstag nach meiner Ankunft statt und sie hat mich wirklich umgehauen. Schon die Tatsache, dass man draußen feiern kann und zwar so lange und so laut wie man möchte, hat mich sehr überzeugt. Aber das Beste ist eigentlich die afrikanische Musik, die einen im Gegensatz zum deutschen Schritt-Ran-Schritt-Ran-Party-Rhythmus wirklich mitreißt und der afrikanische Tanz. Alle tanzen und ich meine wirklich ALLE. Von 0-100 gibt jeder was er so bieten kann. Es ist natürlich etwas schwierig mit den afrikanischen Tanzfähigkeiten mitzuhalten, aber wenn ich dem Feedback der Einheimischen traue (und die Möglichkeit verdränge, dass das vielleicht nur aus Höflichkeit gesagt wird), dann habe ich mich wohl sehr sehr gut geschlagen.

Als Fr. Cyprian im Dezember zu Besuch in Münster war, sagte ich ihm, dass ich sehr gerne die Sprache lernen möchte und er sagte (in kurz und einfach wiedergegeben): „Kein Problem! Die kann man total einfach lernen.“

Joa… das sei jetzt mal so dahingestellt. Sie ist jetzt zwar nicht atemberaubend schwer, aber zeitweise etwas verwirrend. Das liegt unteranderem daran, dass diese Sprache nochmal gefühlte 1000 Dialekte besitzt und jeder Gesprächspartner sich wirklich anders anhört und auch daran, dass es zwar „Regeln“ gibt, aber die sind eher Richtlinien und man kann sie nicht so richtig erklären. Ein weiter Aspekt ist, dass ein Wort häufig mehrere Bedeutungen hat. Dankeschön und Hase heißt bspw. beides apwoyo, tong bedeutet Speer und bildet gleichzeitig auch den wichtigen Teil des Wortes Hühnerei (tong gweno). Aber naja, man wächst rein und mit Hilfe meiner lieben Acholilehrerrin Innocent wird das wohl was werden. Und freundlich angelächelt zu werden, weil man etwas Sinnfreies gesagt hat, ist ja auch ganz nett.

Nachdem ich mich also gut eingelebt hatte, hieß es: A tye ka tic i ot yat. (Ich arbeite auf der Medizinstation.)

Und das macht mir unglaublich viel Spaß. Die Mitarbeiter sind nett, die Stimmung somit ausgezeichnet und die Patienten sind auch klasse. Im Vergleich zu Deutschland läuft hier natürlich vieles ganz anders ab und das fängt schon bei der „Akten“führung an.

Abgesehen von dem unterschiedlichen Ablauf hier, ist auch die Reaktion der Kinder gänzlich anders. In Deutschland ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass ein Kind anfängt zu weinen und vor mir wegläuft. Hier passiert das allerdings häufiger. Die Erwachsenen brechen dann alle in lautes Gelächter aus, was eher zu einer noch stärkeren Reaktion führt. Neben diesem Kind Typ Nr.1, welches erstmal stark von meiner Hautfarbe und meiner Größe überfordert ist, gibt es aber auch noch:

Typ 2 à Fängt zwar nicht an zu weinen, versteckt sich aber erstmal und pirscht sich dann langsam von hinten an, um unbeobachtet und ganz zaghaft meinen Arm anzustuppsen.

Typ 3 à Findet mich sofort einsame Spitzenklasse

Im Allgemeinen sind die Ugander sowieso unglaublich offenherzig und gastfreundlich und auch das erleichtert einem den Einstieg in den Alltag ungemein. Es ist einfach schön, wenn man schon nach dem ersten Treffen als Freund bezeichnet wird und es gibt einem, neben der äußeren Wärme, auch eine innere.

Fürs erste soll es das jetzt aber erstmal gewesen sein, zu viel auf einmal ist ja auch blöd (zum Thema Essen komme ich dann z.B. nächstes Mal).

Gerade hat es übrigens begonnen zu regnen und hier hat man so richtig schönen intensiven Regen. Welch eine Erlösung! Ich werde in wenigen Stunden also abgekühlt das Wochenende einleiten können und dabei gemütlich Zuckerrohr vor mich hin essen. Ich melde mich dann die Tage mal wieder.

Bis dahin viele Grüße aus Uganda

Apwoyo matek!

Luzia Bruns – Obiya Palaro Teil 2

Hallo alle miteinander!

Ich habe nun die 1-Monatsmarke geknackt und ich finde es immer noch wunderbar. Mittlerweile kann man wenigstens ein bisschen behaupten, dass die Regenzeit begonnen hat. Während es in den Dörfern um uns rum schon überall regelmäßig wie aus Kübeln schüttet, bleibt bei uns der Regen irgendwie immer noch aus. Somit sah das mit dem pflanzen von Bohnen etc. bisher auch eher schlecht aus. Aber immerhin: Gestern hatten wir wunderbar moderate Temperaturen von 19-21 Grad und einen dauerbewölkten Himmel. Für mich war es ein wahrer Traum, die Ugander hingegen… ja die kamen im dicken Pulli aus der Tür und bibberten häufig immer noch ganz fürchterlich. Auch im Health Center kamen gestern sofort sehr viele Leute mit Husten und Schnupfen durch die Tür. Gut, dass ich da durch das münstersche Wetter abgehärtet bin.

Innerhalb der letzten Tage ist natürlich wieder viel passiert. Unter anderem habe ich mein Ostern hier verbracht. Abgesehen davon, dass das Osterfest hier etwas ernster genommen wird, ist der Ostersonntag nach der Messe eigentlich auch für dasselbe bestimmt, wie in Deutschland. Freunde oder die Familie besuchen, lecker kochen und irgendwie einen schönen Tag verbringen. Ich wurde von Kevins Familie (Kevin ist eine gute Freundin von mir hier in Uganda) eingeladen den Ostersonntag mit ihnen zu verbringen. Nach dem Gottesdienst fuhr ich also mit dem hiesigen „Taxi“, dem Boda-Boda (ein Motorrad auf dem fast alles transportiert wird), zu Kevins Familie. Ich kam schon etwas früher als der Rest der Gäste und somit konnte ich mithelfen zu kochen. Und das war ganz wunderbar. Die Auswahl der Speisen an Ostern ist natürlich riesig. Wir haben also ordentlich geschnibbelt und gekocht. Gekocht wird hier traditionell in einem Topf, den man auf 3 etwas größere Steine stellt. Dann legt man Feuerholz darunter und zündet dieses natürlich auch an und schon hat man den Herd. Neben viel Fleisch (Ziege/dyel, Huhn/gweno) mit Sauce (dek) gab es natürlich auch viel pflanzliches. In den meisten Töpfen hier findet man eigentlich immer boo und malakwang. Würden wir es einfach so ungekocht sehen, würden wir es optisch wohl in die Kategorie „Unkraut das man essen kann“ stecken, ungefähr so wie Löwenzahn oder Sauerampfer (ich hoffe, ich verletze mit dieser Aussage jetzt keine Wildkräuterliebhaber, falls doch: Tima kica.). Ersteres schmeckt eher säuerlich, zweites eher bitter und beides kann man auf viele Arten zubereiten. Man kann Ei hinzufügen oder ein paar Tomaten oder auch etwas odin (Erdnuss-Sesampaste) und natürlich erhitzt man es. Auch immer gerne als Beilage gesehen ist posho (Maismehlkloß), kwon kal (Hirsemehlkloß bzw. eigentlich geschmacklich dasselbe (bis auf eine ganz feine Nuance) wie posho nur in braun) oder matoke (die Kochbanane). Auch Nudeln oder Kartoffeln (irish oder layata mono/Süßkartoffel der Weißen) findet man hier ab und zu, wobei es doch häufiger auf die Sükartoffel (layata) oder kassawa hinausläuft. Normalerweise findet man so 4-5 Sachen auf dem Tisch, aber an Ostersonntag gab es natürlich all diese Sachen. Außerdem wird hier von vielen Leuten an Ostern ein Kuchen in der Bäckerei bestellt oder, wenn ein Ofen vorhanden ist, selbst einer gebacken. Wir hatten einen aus der Bäckerei. Der Kuchen hier schmeckt ein wenig so, wie ein Gewürzkuchen, den man bei uns zu Weihnachten findet.

Abgesehen vom Gemütlichen zusammensitzen und vom Essen, durfte natürlich eines nicht fehlen: das Tanzen danach. Somit endete der Ostersonntag für uns alle erst sehr, sehr spät.

Diese Woche gab es dann noch ein anderes Spektakel. Nachdem letzte Woche ja bereits das Grundstück für das Krankenhaus von Erzbischof John Baptist Odama gesegnet, der Grundstein gelegt und die ersten Materialien besorgt wurden, ging diese Woche dann das wirkliche Schuften los.

Bevor ich jetzt direkt weitererzähle, möchte ich noch mal kurz etwas von Erzbischof Odama ausrichten, und zwar ein ganz großes und herzliches „Dankeschön!“. Für die Unterstützung, für die Möglichkeiten, die dadurch entstehen und auch für die Freundschaft und Herzlichkeit, durch die alles getragen wird.

Jetzt aber zurück zum Entstehungsprozess des Krankenhauses.

Die Arbeiten haben jetzt wirklich begonnen. Nachdem alles weitestgehend geebnet wurde, ging das buddeln los. Dafür ist so ziemlich die ganze männliche Jugend von St. Mauritz mit Schaufeln angetreten und jetzt wird 5 Tage lang gebuddelt, was das Zeug hält. Auch beide Ingenieure sind schon stän dig vor Ort und gucken, dass auch ja alles präzise ausgeführt wird. Da die Jugendlichen per gebuddeltem Meter, den sie 2 Meter tief buddeln bezahlt werden, wurde sich schon im Voraus eine Fläche abgesteckt. Manch einer war dabei vielleicht etwas sehr ambitioniert. Der diesmalige Absteckkönig hat eine Fläche von 42 Quadratmetern erobert. Das hat er aber auch sehr schnell bereut, zumindest musste sein kleiner Bruder flux mit einer weiteren Schaufel anrücken. Heute schreiben wir den dritte „Buddeltag“ und viele sind schon fertig oder man kann nur noch die Köpfe von ihnen sehen. Wobei sie zwischendurch auch mal aus dem Loch kommen, um die Armmuskulatur zu entspannen und Reis mit Bohnen zu essen.

Hier läuft also alles wie am Schnürchen und damit liebe Grüße aus St. Mauritz in Uganda!

Wenn Sie in Zukunft die Berichte von Luzia per Email erhalten wollen, senden Sie doch einfach eine Email mit dem Betreff Luzia Bruns an web@uganda-hilfe.de. Vielen Dank!

Luzia Bruns – Obiya Palaro Teil 3

Ein herzliches „Hallo!“ aus Uganda.

Hier ist mal wieder viel Interessantes passiert und das möchte ich natürlich gerne mit euch teilen. Joa… wo fange ich denn mal am besten an. Ich denke ich starte erstmal mit den „langweiligen“ alltäglichen Sachen.

Bei der Arbeit sind wir im Moment, auf Grund von Krankheitsgründen, etwas unterbesetzt. Da ich aber den ganzen April über jeden Tag außerhalb des Health Centers bin und Kinder in Schulen impfe bzw. ihnen eine kleine Gesundheitsaufklärung gebe, bekomme ich den Stress dann nicht so mit. Wobei das impfen jetzt auch nicht unbedingt unstressig ist.

Der Stresslevel hängt ungemein vom Alter der Kinder ab. Impfe ich in einem Kindergarten sind die Schreianfälle natürlich vorprogrammiert. Auch wenn die Kindergartenkinder nicht einmal wirklich geimpft werden (also die Nadel zu spüren bekommen), sondern nur Vitamin A-Kapseln und Tabletten gegen Würmer bekommen, so richtig überzeugt sind die meisten von den weißen und roten Kapseln dann doch nicht. Auch die Strategie den Kindern das Ganze als Süßkram zu verkaufen, geht nur bei der Hälfte der Kinder auf. Und von diesen Kindern erntet man dann so manch bösen Blick, wenn festgestellt wurde, dass weder die rote, noch die weiße „Süßigkeit“ lecker war. Das kann ich ja auch ein bisschen verstehen, reingelegt zu werden… ne, das gefällt mir grundsätzlich auch nicht. Neben den totalen Panikattacken und den schnell überzeugbaren Kindern gibt es auch noch meine absolute Lieblingsgruppe (alle Sorten von Kindern sind natürlich süß und unterhaltsam, aber diese ganz besonders). Mein Lieblingsgruppe sind die absolut furchtlosen und „starken“ Kinder.

Erzählt man denen, wofür man heute hier ist, was die Tabletten bewirken und dass sie sich immer schön die Hände waschen sollen, bekommt man schon ganz witzige Antworten. Erstmal, und das ist ganz wichtig, um äußerst cool zu wirken, verschränkt man die Arme und setzt einen lässigen Blick auf. Dann gibt man am besten einen lockeren Spruch von sich… so unter dem Motto: „I don’t fear this thing… noohoo… I don’t fear medicine at all! Others yes, but me NOT AT ALL!“ (die Wirkung wird irgendwie immer leicht durch die piepsige Stimme abgeschwächt). Wenn man dann die Medizin zu sich nimmt und den Mundwinkel nur ganz ganz leicht verzieht, dann hat man es geschafft. Man ist nun offiziell eine coole Socke.

Ein weiterer anstrengender Aspekt bei den Besuchen im Kindergarten ist das mitsingen und mittanzen. Es handelt sich hierbei natürlich um sehr eingängige Texte und sehr simple Choreographien (wenn man das denn so nennen möchte). Aber wenn man dann in jeder Klasse einen neuen „Willkommenssong“ oder einen „ Wir haben uns alle lieb-Song“ singen muss, dann findet man den fünften zwar immer noch süß, aber nicht mehr ganz sooooo süß. Aber es ist natürlich, egal ob man gute Laune oder schlechte Laune hat, ganz herzerwärmend.

Auch ganz niedlich ist der Moment, wenn alle Mädchen aufstehen sollen und dann so ein bis zwei männliche Schlafmützen den Schwung irgendwie mitnehmen und sich nun ungewollt zu den Mädchen zählen dürfen. Aber das passiert selbst in den hohen Klassen der Schulen noch. Was dort aber nicht zu finden ist, sind süße kleine Kinder die auf ihrem Plastikstühlchen eingeschlafen sind und die nun leicht vor sich hin säuseln.

Aber genug zum Kindergarten. Jeder weiß ja eigentlich wie putzig Kinder manchmal sein können.

Die Besuche in den Primary- und Secondary-Schools sind dann nicht mehr ganz so stressig. Aber auch dort findet man so manch eine Herausforderung und auch die ein oder andere lustige Situation. Trotz des fortgeschrittenen Alters, klappt das mit dem „Bildet bitte zwei Reihen, eine für Mädchen und eine für Jungs!“ immer noch nicht so einwandfrei. Auch das Schlucken von Anti-Wurm-Tabletten ist manchmal nicht ganz so einfach, denn viel „Patienten“ befinden sich im „Alles ist blöd und ich versuche mal die Mediziner zu veräppeln-Alter“. Entweder man nimmt die Tablette in den Mund und spuckt sie dann wenn keiner hinschaut wieder aus oder man tut so als würde man sie nehmen und lässt sie dann im Ärmel verschwenden. Das klappt natürlich nicht immer und dann guckt die weiße „Ärztin“ einen böse an. Dann versucht man dasselbe Spiel nochmal. Klappt wieder nicht. Dann muss die Tablette wohl oder übel geschluckt werden. Aber es gibt natürlich auch unproblematische Fälle, die darf man nicht einfach untergehen lassen. Ein Stressfaktor den es im Kindergarten nicht gibt, der nun aber hinzukommt, ist das wirkliche Impfen. Nadeln sind selbstverständlich überhaupt nicht gerne gesehen, sorgen aber bei mir überhaupt nicht für Stress. Den Stress haben dann einmal die anderen. Während die Jugendlichen dann „leiden“, habe ich so meinen Spaß. Ein besonders amüsantes Erlebnis hatte ich an einer „Technischen Hochschule“ (so würde man es hier vielleicht nennen). Dort wird hauptsächlich Handwerk gelehrt (Tischlern, Bauen, Landwirtschaft etc.), aber auch theoretische naturwissenschaftliche Fächer können belegt werden.

Auf jeden Fall waren erst die Mädchenklassen dran (die waren natürlich sehr klein) und dann kamen alle Jungs (14 und aufwärts). Allesamt waren sie bereit der weißen und jungen „Ärztin“ zu imponieren und natürlich waren die meisten auch recht muskulös (Handwerk halt). So standen sie dann da. Absolut maskulin. Die Tabletten schlucken ging 1a. Aber dann wurden die Spritzen und der Impfstoff unterm Tisch hervorgeholt und die Augen weiteten sich vor Schreck. Die waren allesamt schlimmer als jedes Kindergartenkind und die eine oder andere Träne floss. War man an der Reihe wurde noch schnell ein Kreuzzeichen gemacht und ein Stoßgebet gen Himmel gesandt, dass man auch bloß nicht stirbt.

Ich darf an dieser Stelle mit Stolz erwähnen, dass alle überlebt haben und die Vitalzeichen allesamt stabil sind.

Leider geht uns langsam der Impfstoff aus, denn die Regierung lässt mit der Lieferung an den Distrikt ein wenig bis sehr auf sich warten. Das ist äußerst ärgerlich, da wir eigentlich bedeutend mehr Leute impfen könnten. Aber naja, da kann man auch nur wenig machen.

Aber vielleicht etwas spannender als meine alltägliche Arbeit, ist mein Besuch des Murchison Falls National Park. Das war natürlich etwas ganz besonderes.

Wir sind morgens schon gegen 4 Uhr aufgebrochen, denn wir wollten wenigstens versuchen ein paar Löwen zu sichten und in den frühen Morgenstunden verstecken die sich noch nicht unter den Sträuchern.

Am Tag zuvor haben wir im Park angerufen, um sicher zu gehen, dass wir pünktlich zur Öffnungszeit am Eingang sind. Der freundlich Angestellte am Telefon, sagte uns: 6 Uhr. Wir waren also pünktlich um 6 Uhr an Ort und Stelle. Und was sagt uns die Nachtwache mit verschlafener Stimme: Wir öffnen erst um 7. Na klasse, da sitzen wir also gemeinschaftlich müde im Auto und warten eine geschlagene Stunde.

Aber ehrlich gesagt, gab es schon einmal schlimmere Wartezeiten. Denn immerhin konnte ich schon einen wunderschönen Sonnenaufgang genießen und sehen wie die ersten Tiere langsam in den Tag starten. Und schon die „simplen“ Gazellen haben mich begeistert, dabei gibt es die wirklich en masse (in diesem Park findet man übrigens 7 unterschiedliche Gazellen). Aber für mich waren die trotzdem unglaublich beeindruckend. Erstmal war einfach das Zusammenspiel von der Graslandschaft und den Tieren so schön und dann sind Gazellen auch etwas wie Hirsche/Rehe. Irgendwie elegant halt.

Als es dann aber wirklich in den Park hinein ging, wurde es natürlich nochmal um Welten besser. Schon relativ am Anfang konnte ich die für mich „wichtigen“ Tiere erblicken: Giraffen und Elefanten. Es war so schön. Nicht nur die Tiere waren einfach prachtvoll, auch die Farben der Umgebung.

Überall typisch afrikanische (wie man sich das halt so vorstellt) Bäume und Sträucher in einem saftigen, intensiven Grün und Drumherum das trockene, hellbraune Gras. All das in einer hügeligen Landschaft mit dem einen oder anderen Wasserloch. Es war halt einfach so unglaublich schön, wie man sich die Klischee-Afrikalandschaft immer vorstellt. Ein weiterer Pluspunkt der Szenerie waren natürlich die natürlichen Gewässer (was gibt es denn bitte schöneres als Wasser???): der Albertsee und dann natürlich der (weiße) Nil! Der Nil ist einfach traumhaft schön und seine Wirkung auf mich wurde durch das Sonnenlicht und das dadurch herbeigeführte Glitzern nicht unbedingt geschmälert.

So fuhren wir also durch die Hitze (es war wirklich unglaublich und unerträglich heiß) immer auf der Suche nach dem König der Tiere, dem Löwen. Aber dieses Glück blieb uns leider verwehrt, was für mich jetzt nicht so tragisch war, da ich es schon ohne Löwen einfach toll fand. Nach unserer Tour warteten wir kurz auf eine „Fähre“ die uns über den Nil bringen sollte, denn auf der anderen Seite des Nils (also im Süden des Parks) lag unsere Unterkunft.

Wir überquerten also einmal flott den Nil, fuhren dann zu unserer Unterkunft und dort haben wir dann erstmal lecker zu Mittag gegessen. Zwischendurch mussten wir unser Essen immer mal wieder gegen Affen verteidigen, die waren nämlich schneller bei einem am Teller, als dass man sich wirklich vorsehen konnte. Um zwei stand dann eine Bootstour mit der Destination „Wasserfälle“ an. Ich habe es einfach nur genossen in der Nähe des Wassers zu sein und die Landschaft war natürlich auch entlang des Nils echt schön. Die Krokodile waren jetzt nicht so meins, aber die Nilpferde dafür umso besser. Wie sie da so in Ihren Schulen im kühlen Nass vor sich hindümpelten, doch… diese schlichte Darbietung hat mich wohl überzeugt. Aber es gab noch eine Darbietung der Natur, die ich mir noch bedeutend länger hätte anschauen können und das war, man kann es ja vielleicht erraten, der Wasserfall (bzw. die Wasserfälle, wobei der kleinere halt nicht ganz so spektakulär ist). Der leichte Wasserdunst in den alles gehüllt war und der sich dann auf der Haut niederlegte, die kleinen grünen Inseln, das donnernde Geräusch der Wassermassen, die Regenbögen und der Geruch… all das hat mich ein wenig verzaubert. Würde ich jetzt einfach nur verzaubert sagen, dann würde sich das ja ein wenig sehr kitschig anhören und das soll es ja nicht… deswegen das „ein wenig“ davor. Wir gehörten dann zu den Leuten, die schon bei der 1. Station ausstiegen, denn wir wollten den Aufstieg zur „Spitze“ des Wasserfalls wagen. Der Weg dort hinauf war… fürchterlich. Es hätte so schön einfach sein können. Es war weder steil, noch war es rutschig, noch waren dort gefährliche Spinnen oder Schlangen unterwegs… aber schlimmer als das alles zusammen: es war einfach zu heiß. Alle Kleider am Körper waren durchnässt und das lag nicht am Wasser, alles klebte und die Wasservorräte waren nach 10 von 30 Minuten aufgebraucht und die Kopfschmerzen kamen bei allen sehr schnell. Ich hatte zusammen mit all den anderen hellhäutigen Personen zusätzlich noch ein weiteres Problem. Die Hellhäutigkeit. Keine Sonnencreme dieser Welt konnte mich in dieser Situation vor einem Sonnenbrand beschützen und ich hatte auch gerade keinen Schirm oder etwas Langärmliges dabei (hätte beides aber auch nicht tragen wollen). Pluspunkte des Aufstiegs waren also: unglaubliche Aussicht, atemberaubende Umgebung, noch näher am Wasser. Minuspunkte: atemberaubende Hitze, Kopf kurz vorm Platzen, Sonnenbrand. Die Pluspunkte haben aber mehr Gewichtung.

Wir fuhren also recht erschöpft zurück zu unserer Herberge, gingen alle einmal duschen und genossen dann den Abend und den Sonnenuntergang mit vielen kühlen Getränken. Das mit dem schlafen in dieser Nacht war allerdings so eine Sache, denn vielleicht habe ich es schon erwähnt, es war einfach zu heiß.

Am nächsten Morgen ging es dann auch schon wieder heimwärts und dort erwartete mich dann eine kleine Überraschung.

Es gibt nun eine Baby-Luzia (zwar mit c, aber das ist auch ok) in Gulu, denn eine Freundin von mir hier vor Ort hat während wir im Park waren doch glatt ihr Baby bekommen und es dann einfach mal nach mir benannt. Der „traditionelle“ Name steht allerdings noch nicht fest, bei Mädchen dauert es meistens 4 Tage bis der Name durch die Mitglieder der Familie festgelegt wird. Aber schon jetzt hat Lucia ziemlich viel Haar auf dem Kopf, es wurde schon herumgescherzt, dass das wohl an dem Namen liegen muss.

Somit also liebste Grüße nach Münster
 

Luzia Bruns – Obiya Palaro Teil 4

Hallo alle miteinander!

Ich weiß, ich habe lange nichts von mir hören lassen und so schwer es mir fällt es zu sagen: Ich bin wieder zurück in der Heimat.

Da ich jetzt eine wundervolle Internetverbindung habe, habe ich mich jetzt nochmal für einen letzten Bericht hingesetzt.

Also wenn ich es jetzt einfach ausdrücken müsste: In meinem letzten Monat ist gar nicht sooo unglaublich viel passiert. Alles ist irgendwie richtig alltäglich geworden. Das meine ich aber überhaupt nicht negativ. Alltag bedeutet, finde ich zumindest, ja auch irgendwie ein bisschen, dass man sich geborgen fühlt. Und genau das ist passiert. Also ich habe mich dort immer willkommen gefühlt, aber im letzten Monat ist in mir das Gefühl entstanden, dass ich hier eine zweite Heimat gefunden habe. Es ist nun ein Ort, an dem ich ausgeglichen und zufrieden bin. Es ist viel mehr als ein Reiseziel für mich, wo ich Erfahrungen machen möchte, sondern ein Ort, wo ich auch viele Freunde gefunden habe, die ich nicht mehr missen möchte. Wenn ich also jeden Morgen einfach aufgewacht bin und einen kurzen Spaziergang gemacht habe – einfach um die Morgensonne zu spüren – und dann gefrühstückt und gearbeitet habe, dann ist das bei weitem nichts Negatives. Dieses Land macht mich auch ohne super tolle Nationalparkausflüge glücklich.

Aber jetzt ist es ja erstmal genug mit Glücksgefühlbekundungen.

Ein bisschen was ist ja schon passiert.

Ein wichtiger Teil des letzten Monats war meine kurze Reise in den Südwesten Ugandas. Hauptsächlich lässt sich diese Reise durch unfassbar viele Stunden im Auto beschreiben, aber durch die Fenster sieht man ja auch schon viel. Anlass zu dieser Reise hat uns eine kleine aber wichtige Maschine gegeben. Denn wir haben die Möglichkeit bekommen, eine CD4-Count Maschine für unser Health Center aus Ibanda abzuholen. Wer jetzt nicht so wirklich weiß, was das ist: Kein Problem! Man kann ja heutzutage flott googeln. Dann muss ich das hier im Text jetzt nicht erklären. So viel sei schon einmal gesagt: Diese Maschine ist für HIV-Patienten und unser Health Centre sehr wichtig. Wir sind also an einem Sonntagnachmittag erstmal nur nach Kampala aufgebrochen. Die ganze Strecke wäre zu lang gewesen und die Straße ist noch nicht ganz so schön ausgebaut wie manch andere. Wir sind dann so gegen 22 Uhr in Kampala angekommen (unsere Unterkunft war das Bischofshaus in Luzira) und da wäre ich doch glatt vom Glauben abgefallen. Was sehe ich da im Schrank? Nutella und richtige, so richtige Butter. Diese Kostbarkeiten am nächsten Morgen zu genießen wurde mir aber nicht gewährt, da wir um viertel vor 6 schon Richtung Ibanda aufgebrochen sind, um dem fürchterlichen Verkehr bzw. Dauerstau in Kampala zu entgehen. Aber Pustekuchen! Der Stau hat uns trotzdem schon erwartet und somit haben wir Kampala dann doch erst um kurz nach 7 verlassen.

Was soll ich zu meinen ersten Eindrücken über den Südwesten sagen? Erst einmal vorab: Ich bevorzuge den Norden!

Also dort ist es bergig und hügelig zugleich (hört sich jetzt irgendwie blöd an, aber auf einem Berg befinden sich halt mehrere Hügel). Und überall sieht man immer nur Bananenplantagen und Kühe – viele, viele Kühe. Und manchmal sieht man dann auf der Spitze eines Hügels oder Berges eine einsame, traumhafte Villa stehen. Immer und immer wieder sieht man diese schönen Häuser, die so alleine und verlassen dastehen, wie das Männlein im Walde. Das kam mir schon ein wenig mysteriös vor. Aber was noch viel mysteriöser war, das waren die verlassenen Dörfer. Kamen wir in ein Dorf, so sah ich zwar viele Läden… doch immer waren die verschlossen. Meine Fragen waren also die folgenden:

  1. Was haben diese Villen auf den Bergen zu suchen?
  2. Wieso baut man Läden und Häuser, wenn aber nirgendwo Menschen sind?

Ja nun… die Antworten auf meine Fragen wurden alle von Fr. Cyprian in nur einem Wort beantwortet: „Museveni.“ (Das ist der Präsident Ugandas)

Da wir uns im Distrikt von Museveni befanden, wurde mir also mitgeteilt, dass ich mich nicht wundern sollte, wenn hier manches etwas anders läuft. Die einsamen Villen wurden, laut Fr. Cyprian, von Museveni für seine Verwandten und treuen Unterstützer gebaut. Und die Städte bzw. Dörfer sind anscheinend so leer, weil auf einmal sehr viele Leute aus diesem Distrikt eine Anstellung bei der Regierung bekommen haben und deswegen jetzt halt nicht mehr in ihren alten Läden arbeiten. Naja… was man dazu sagen soll, weiß ich nicht so recht. Manchmal ist es auch ganz weise einfach zu schweigen. Auch die Menschen sind teilweise etwas verschlossen, aber das ist natürlich auch nur mein kurzer Eindruck.

Irgendwann gegen Mittag sind wir dann endlich in Ibanda angekommen und dort haben wir uns dann mit Elvira Pöhland und Fr. Peregrine Ntsinda getroffen. Wir haben lecker gegessen, viel geredet (Fr. Cp und Fr. Ntsinda kannten sich übrigens bereits aus dem Priesterseminar, irgendwie kennen sich hier alle Priester untereinander) und natürlich haben wir auch die CD4 Count Maschine bekommen. Fr. Ntsinda ist übrigens auch ein sehr amüsanter Zeitgenosse. Er hat gerade sein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen, weswegen er übrigens von seinem Bischof suspendiert wurde (lange Geschichte, manchmal bzw. äußerst häufig läuft in der katholischen Kirche einfach etwas falsch) und er ist ausgesprochen redselig und die Worte kommen auch unglaublich schnell aus ihm heraus. Somit ging die Zeit äußerst schnell vorbei und zum Ende hin kam noch ein weiterer Freund der beiden aus dem Priesterseminar dazu. Dieser war schon öfter in Amerika und jetzt spricht er auch wie ein Amerikaner, mit diesem fürchterlichen Ich bin ein Cowboy und muss möglichst gedrückt reden – Slang. Aber überhaupt ist auch sein ganzes Auftreten einfach lustig. Sein Spitzname ist Bums und an diesem Tag fuhr er in einem etwas schnelleren Auto vor. Er trug Flip Flops, eine grüne Hose, ein Hemd mit Leopardenprint und eine Sonnenbrille und zusätzlich ist er echt winzig. Man kann es also einfach als einen sehr lustigen und gelungenen Nachmittag beschreiben.

Aber in Ibanda sollte unsere Reise durch den Südwesten allerdings noch nicht enden. Von Ibanda aus fuhren wir nämlich noch nach Mbarara. Dort wollten wir einen weiteren Priesterkumpel aus dem Priesterseminar von Fr. Cyprian, Fr. Paul, treffen und wir wollten dort auch die Nacht verbringen. Der Weg dorthin war auf jeden Fall schon einmal unglaublich lustig und mit guter Laune versetzt. Nach ein paar Stündchen kamen wir dann in Mbarara und somit auch bei Fr. Paul an. Wir hatten einen gemütlichen Abend mit einem sehr schönen Sonnenuntergang und leckerem Essen. Da wir aber leider nicht so richtig lange in St. Mauritz fehlen konnten, mussten wir schon am nächsten Morgen um 9 Uhr aufbrechen. Wir fuhren wieder nach Kampala zurück, aßen dort zu Mittag und fuhren dann direkt nach Gulu.

Joa, das war die Reise in den Südwesten. Ich war zwar nur kurz da, aber wie schon oben erwähnt… der Norden ist mir lieber.

Bevor es mir wieder entfällt. Ich habe jetzt auch Ameisen gegessen. Und wie war das so? Joa, es war- okeeee. Ich habe eine Kugelvariante probieren dürfen: Zuerst zermalmt man die Ameisen weitestgehend, dann brät man sie an und dann formt man eine Kugel daraus und kocht sie noch ein wenig in einer Soße. Der Geschmack dieser Kugel war recht würzig. Ich denke was mich am meisten gestört hat, war, dass man halt Teile der Ameisen noch erkennen und teilweise auch im Mund noch fühlen konnte. Das Problem ist also weniger der Geschmack, als die Erscheinung. Soviel also dazu.

Meine Arbeit im Health Center war zum Schluss etwas „einseitig“, denn es gabt fast nur eine Krankheit: Malaria. Morgens, Mittags, Abends… die Patienten kamen ohne Unterbrechung. Manche kamen sehr früh, viele aber auch reichlich spät: Erwachsene am Rande der Erschöpfung und ohnmächtige Kinder waren keine Ausnahme. Eigentlich hätten wir uns den Malariatest oder das Warten auf das Ergebnis häufig sparen können, aber das macht man natürlich nicht. Und wirklich fast jeder hatte Malaria (zumindest in meinem Umfeld). Die Bauarbeiter, die Mitarbeiter im Health Center, teilweise ganze Schulklassen (bis auf 2-3 Schüler), Priester… .

Ich sage nur: Gut, dass ich eine Prophylaxe hatte. Denn die Mücken dort lieben mich. Natürlich wurde ich in der Nacht verschont, denn ich schlafe dort ja unter einem Netz. Aber tagsüber haben sie doppelt und dreifach zugeschlagen. Um all meine Abwehrtricks haben die sich einen feuchten Kehricht geschert. Egal ob Fuß, Bein, Arm, Gesicht… irgendwo findet sich ja immer eine Stelle. Aber ich möchte natürlich nicht jammern, denn es gibt ja Schlimmeres als Dauerjucken und Dauerkratzen und ich möchte trotzdem immer wieder zurückkommen.

Ich war in den letzten Tagen natürlich auch ausführlich afrikanisch shoppen und ich besitze jetzt viele Paare afrikanischer Flipflops (da bin ich wirklich ein ganz großer Fan von), eine afrikanische Sitzmatte und viel Kleidung. Denn eine Freundin von mir, Sarai, wollte mir noch unbedingt ganz viele Anziehsachen nähen. Deswegen habe ich schönen afrikanischen Stoff gekauft und jetzt gibt es noch ein paar bunte Teile in meinem deutschen Kleiderschrank. Eigentlich hätte ich ja auch gerne viele Lebensmittel mit nach Deutschland genommen. Also dass die Ameisen dort geblieben sind, ok… da kann ich mit leben. Aber all die Mangos, Bananen, Papayas und vor allem die Avocados, die Passionsfrüchte und das Zuckerrohr… doch, da hätte ich eigentlich schon gerne einen Jahresvorrat mitgebracht.

Aber das ging natürlich nicht. Somit musste ich bei meinem ersten Supermarktbesuch in Münster ganz stark sein. Ich stand vor der Obstabteilung und war, zumindest gefühlt, den Tränen nah. Schrumpelige Mangos, winzige Avocados, ungemein überteuerte Passionsfrüchte, winzige Papayas (die witzigerweise hier als XXL-Papayas betitelt werden) und nirgendswo mein geliebtes Zuckerrohr. Na wenigstens ist Erdbeerzeit. Das hat den totalen Nervenzusammenbruch noch gerade so verhindert.

Aber nochmal zurück nach Uganda.

Ich habe die letzten zwei Wochen sehr intensiv genossen. Ich hatte noch mehr Spaß mit meinen Freunden als sonst und sogar die Sonne hat mich in dieser Zeit überhaupt nicht gestört. Und dann rückten die letzten Tage einfach rasant näher.

Fr. Cyprian und ich düsten auch ein wenig durch die Gegend um Sachen für das Projekt zu organisieren und Preise zu vergleichen.

Preise wofür? Joa, wir haben einen neuen Traum: Eine Bücherei in Obiya Palaro. Fr. Cyprian und ich saßen mal abends zusammen und wir hatten zuvor eine Bücherei in einer anderen Gemeinde gesehen und da ich persönlich Bücher und Geschichten einfach liebe, habe ich gesagt. „ Wie wäre es denn eigentlich wenn…?“ Und so kam es nun dazu, dass wir wie die Irren private Büchereien von Schulen angeschaut haben, uns ein „Innendesign“ überlegt haben und überall Materialkosten verglichen haben. Das hat alles irgendwie noch schnelllebiger gemacht.

Auch die Entwicklungen des Krankenhausbaus waren irgendwie rasant. Kaum hat man mal einen Tag nicht hingeschaut… da haben die Bauarbeiter am nächsten Tag schon angefangen die Ziegel aufeinander zu stapeln. Also es geht wirklich flott voran.

Und dann war sie irgendwann da… meine Abschiedsparty. Was soll ich dazu sagen… schon auf der Hälfte meines Aufenthalts wurde getuschelt: „Luzia braucht unbedingt eine Abschiedsparty mit viel Musik, Tanz und Essen. Solche Partys machen ihr doch immer so Spaß.“ Ich habe gar nichts zu meiner Verteidigung zu sagen, ich LIEBE afrikanische Partys und deswegen kam es dann auch so. Nachdem ein paar Reden geschwungen worden waren und ich noch ein Kleid, Fotos und viele Umarmungen bekommen habe, wurde intensiv und lange getanzt.

Dann hatte ich noch einen Tag zum Packen und dann ging es los. Mein Flug ging am Donnerstag und wir sind mittwochs um 3 Uhr morgens losgefahren, denn wir wollten die Straße durch den Osten nehmen. Einfach damit ich dort auch einmal ein bisschen die Landschaft sehe (ich möchte ja gerne nächstes Jahr schon wiederkommen und dann brauche ich ja auch wieder ein paar Ausflugsziele). Und den Osten finde ich landschaftlich auch wirklich schön, zumindest besser als den Südwesten, wobei der Norden mir ja immer noch am allerliebsten ist. Nicht nur die Landschaft ist 1a, auch die Menschen sind spitze.
Kevin ist natürlich auch wieder mitgefahren und wir hatten ein letztes Mal richtig ordentlich Spaß zusammen und dann fiel uns der Abschied am Flughafen so unglaublich schwer. Die Tränchen flossen dann doch und alles war blöd in dem Moment… Ich werde sie einfach besonders stark vermissen bzw. sie fehlt mir schon jetzt total und es ist noch keine Woche vergangen. In dem Moment fielen mir natürlich auch nicht die schönen Dankesworte für sie und Fr. Cyprian ein, die ich mir seit Tagen im Schlaf zurechtgelegt hatte. Aber ich denke bzw. hoffe, dass sie trotzdem gefühlt haben, was ich eigentlich alles sagen wollte.

Ich ging durch die Sicherheitskontrolle, ging traurig zum Check In, dann durch die nächste Sicherheitskontrolle und dann hob das Flugzeug ab, landete in Dubai, ich wartete 10 Stunden, flog wieder los und landete hier in Deutschland (ich hatte übrigens katastrophale Sitznachbarn, aber ist ja jetzt egal).

Und jetzt, taddaaa, bin ich wieder hier. Seit knapp einer Woche. Ich genieße das Essen, ich genieße die geordnete Stadt, die Pünktlichkeit der Menschen und dass meine Lieben aus Deutschland wieder um mich rum sind. Auf der anderen Seite vermisse ich so vieles aus Afrika (ein lachendes und ein weinendes Auge, bla bla bla… ich denke, man kennt es).
Und ganz am Rande, es ist mir wirklich sehr peinlich das zu sagen, ich habe heute Morgen bei den 14 Grad gefroren wie blöd. Mein Körper „vermisst“ also sogar ein wenig bis viel die anderen Temperaturen und dabei bin ich eigentlich eher so der Herbsttyp. Tja, ändert sich bestimmt auch noch.

Abschließend möchte ich jetzt noch einmal sagen:

Dankeschön für alles, was Sie schon für dieses kleine wundervolle Fleckchen Erde getan haben!!! Auch wegen Ihrer langjährigen Unterstützung habe ich jetzt diesen Ort als so toll erlebt, wie er heute nun einmal ist.
Da es mir ein persönliches und großes Herzensanliegen ist, möchte ich Sie an dieser Stelle bitten unser kleines aber feines Büchereiprojekt zu unterstützen.

Diese Bücherei im Herzen von St. Mauritz soll den Leuten in Obiya den Zugang zu Büchern ermöglichen. Für mich ist das wichtigste, dass sich langsam eine Lesekultur entwickelt, denn Bücher und Geschichten sind etwas Wunderbares und auch wenn es vllt. nur ausgedachte Spinnereien sind, trägt das Lesen im Allgemeinen zur Bildung bei und manchmal ist es auch nicht das schlechteste sich in einen anderen Alltag zu lesen. Natürlich soll die Bücherei auch zu Recherchezwecken bzw. als ruhiger Ort zum Lernen dienen. Mein Traum ist es, dass auch die Schule und vor allem der Kindergarten die Bücherei nutzen: Gruppenbesuche zum einfachen durchstöbern oder für Vorleserunden wünsche ich mir sehr, sodass schon die kleinen in Obiya mit Spaß am Lesen groß werden können.

Mithelfen können Sie ganz unkompliziert und schnell auf den Seiten unserer Homepage, klicken sie einfach bei betterplacce.org auf spenden.

Also ein großes Dankeschön und bis bald,

Luzia

Rückkehr aus Uganda – Brief an die Pfarrgemeinde Sankt Mauritz

Hallo liebe Gemeinde!

Am 3. Juni bin ich aus Uganda zurückgekehrt. Ich war dort für 3 Monate in unserer Partnergemeinde in Obiya Palaro (in der Nähe von Gulu) und habe hauptsächlich in der Medizinstation gearbeitet. Ja… was soll ich sagen. Ich vermisse Afrika schon jetzt von ganzem Herzen.

Ich bin zwar mit meinem großen Koffer voller afrikanischer Kleidung und vielen schönen Erinnerungen am Flughafen angekommen, aber was ich zurückgelassen habe, sind all die tollen Menschen, die ich jetzt meine Freunde nennen darf. Und natürlich auch die angenehme Wärme, die ich zu Beginn unfairer Weise noch so verflucht habe und jetzt ein wenig in diesem an Schauern und plusterigen Winden reichen Sommer schon vermisse.

Ich habe mich eigentlich mit eher wenig Vorbereitung in die Afrikareise gestürzt und war natürlich im Flugzeug angenehm aufgeregt, da ich nur wenig über das wusste, was mich dort so erwarten würde. Dass ich mich aber so in dieses Land verlieben würde, damit habe ich echt nicht gerechnet.

Ich bin noch jung, so ist das einfach. Ich kann und darf also nicht von mir behaupten, dass ich das Leiden, das Uganda durchgemacht hat, aktiv mitverfolgen konnte. Als der 20 Jahre andauernde Bürgerkrieg im Norden sich dem Ende neigte, war ich mal gerade 11.
Nun war ich aber vor Ort. Ich darf jetzt erzählen, wie sich die Menschen in Gulu heute fühlen und ich darf etwas Afrika nach Deutschland bringen. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit dazu bekommen habe.

Dadurch, dass in den letzten Jahren viel am Wiederaufbau gearbeitet wurde, und die ugandische Regierung, in meinen Augen, zwar vieles aber nicht alles falsch macht, kann man mittlerweile schon sagen „Den Menschen geht es gut“. Der Begriff „gut“ ist allerdings sehr weit auslegbar. Es gibt eine hohe Arbeitslosigkeit und die Jobs, die es gibt, bringen nicht unbedingt so viel ein, dass man seine Familie immer gut über die Runden bringen kann. Mal müssen Kinder aufhören zur Schule zu gehen, weil einfach kein Geld da ist, oder das Studium wird nach einem Jahr abgebrochen und dann stehen diese jungen Menschen wieder ohne Ausbildung da und halten sich grad so über Wasser. Es gibt noch viele Waisen, nicht nur durch den Verlust von Eltern durch den Krieg, sondern auch durch eine wieder ansteigende Aidsrate. In der älteren Generation stecken häufig noch so viele traumatische Erinnerungen, dass es im Leben einfach nicht rundlaufen kann und die medizinische Versorgung wird zwar besser, ist aber bei weitem nicht gut.

Also die Menschen in Uganda brauchen unsere Hilfe nach wie vor. Es gibt noch genug Zerbrochenes und Kaputtes, was mit unserer Unterstützung wenn nicht geheilt so doch gebessert werden kann.

Abgesehen davon, dass die Uganda-Hilfe St. Mauritz e.V., die Obiya Palaro schon seit vielen Jahren erfolgreich unterstützt, und durch die ich an diesem schönen Ort sein konnte, gerade die Medizinstation zu einem Krankenhaus ausbaut, sammeln wir nun für eine öffentliche Bücherei.
Wir möchten den Menschen dort den Zugang zu Büchern ermöglichen, um das Interesse zu recherchieren, zu lesen, sich zu bilden in mehr Menschen geweckt wird. Wir wünschen uns, dass durch die Bücherei junge Menschen an das Lesen herangeführt werden und Spaß daran entwickeln, Neues zu entdecken oder eine gute Geschichte zu lesen, anstatt in der Freizeit am Straßenrand zu sitzen. Außerdem ist ein gutes Buch, das einen fesselt, auch ein weiteres Stück Lebensqualität und eine Möglichkeit, zu entspannen und den Alltagsstress wenigstens für eine Zeit zu vergessen.

Falls Sie Interesse daran haben, uns zu unterstützen, worüber sich viele nette Ugander und wir uns sehr freuen würden, können sie das über die Bankverbindung, die sie auf unserer Internetseite finden: http://www.uganda-hilfe.de/mithelfen/ueberweisung

Auf der Internetseite haben Sie auch die Möglichkeit, sich über die Organisation genauer zu informieren oder direkt für bestimmte Projekt zu spenden, wie z.B. für die Bücherei (http://www.uganda-hilfe.de/mithelfen/betterplace ), welche mir persönlich besonders am Herzen liegt.

Also ganz liebe Grüße von mir – aus der nicht so sommerlichen Heimat

Luzia Bruns

PS: Nach den großen Ferien werde ich im Pfarrheim St. Mauritz von meiner Zeit in Uganda berichten. Der genaue Termin wird noch mitgeteilt.

In der Fremde schnell zu Hause

Luzia Bruns arbeitete im Partnerdorf der Uganda-Hilfe

Wer in Afrika in einer Krankenstation arbeite, der muss nicht erst überlegen, was man machen kann. Die Arbeit ergibt sich von selbst.
Von Klaus Baumeister

Diese Erfahrung hat die 18-jährige Münsteranerin Luzia Bruns gemacht. Sie hat drei Monate lang in Obiya Palaro gelebt, dem Partnerdorf der Uganda-Hilfe St. Mauritz. Mit Hilfe der WN-Spendenaktion entstand dort vor 20 Jahren eine Krankenstation, die jetzt – wiederum mit Hilfe einer Spendenaktion – um ein kleines Krankenhaus ergänzt wird.

Wie Luzia Bruns im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, hat sie sich schon am ersten Abend in Obiya Palaro wie zu Hause gefühlt. „Die Menschen sind sehr gastfreundlich und offen.“

Zusammen mit den hauptamtlichen Kräften der Krankenstation fuhr die Münsteranerin regelmäßig in die abgelegenen Dörfer rund um Obiya Palaro, um dort Impfaktionen durchzuführen: „In der Hauptsache Polio, Tollwut und Hepatitis.“

Schnell fand Bruns heraus, dass „ältere Frauen“ in den afrikanischen Dörfern eine besondere Rolle haben: „Sie kennen alle Kranken, sie kennen alle Schwangeren, und sie wissen auch, welches Kind gerade röchelt.“ Kurz und gut: Sie wissen genau, wer im Dorf Hilfe braucht und wer nicht.

Die Münsteranerin konnte auch sehen, wie die Fundamente für das neue Kleinkrankenhaus buchstäblich gelegt wurden. Gemessen an deutschen Verhältnissen gehe es im Norden Afrikas langsam voran. Vieles sei Handarbeit, „aber die Menschen sind sehr zuversichtlich“.

Bei all den positiven Eindrücken, die Luzia Bruns aus dem Norden Ugandas wieder mit zurück nach Münster genommen hat, gibt es auch einen Kritikpunkt, den die 18-Jährige, die demnächst gern Medizin studieren möchte, auch gleich in ein Projekt umwandelt. Will sagen: Obiya Palaro soll eine Bücherei bekommen. „Mir ist aufgefallen, dass die Kinder und Jugendlichen nur wenig lesen.“ Einen Raum hat Luzia Bruns mit Hilfe des Priesters Father Cyprian sowie der Uganda-Hilfe St. Mauritz bereits organisiert. Jetzt sammelt sie Geld, damit die Gemeinde Bücher ankaufen kann. Auch in dieser Hinsicht musste sich die junge Münsteranerin nicht um eine Aufgabe kümmern, die Aufgabe fiel ihr zu . . .
Zum Thema

Auf der Homepage der Uganda-Hilfe St. Mauritz ist ein Blog von Luzia Bruns zu lesen, ferner gibt es die Möglichkeit, direkt für die neue Bücherei zu spenden.

http://www.wn.de/Muenster/Muenster/2468508-Luzia-Bruns-arbeitete-im-Partnerdorf-der-Uganda-Hilfe-In-der-Fremde-schnell-zu-Hause

„Hier werden die Tupfer für die Medizinstation noch selbst gemacht …“ Ein Erfahrungsbericht aus dem Norden Ugandas

Bei wahrhaft afrikanischen Temperaturen haben doch fast 40 Interessierte den Weg ins Pfarrheim St. Mauritz gefunden, um dort auf Einladung der Uganda-Hilfe St. Mauritz e.V. Luzia Bruns zuzuhören, die von ihrer Zeit in der Partnergemeinde St. Mauritz Obiya Palaro im Norden Ugandas erzählte. Und das tat die 19-jährige so lebendig und begeistert, dass der Abend wie im Fluge verging. Ob es das afrikanische Essen oder die Stammessprache, Alltagsgewohnheiten, Feste oder ihre Arbeit in der Medizinstation waren – Luzia, eine ehemalige Messdienerin der Gemeinde St. Mauritz Münster, wusste ihre Zuhörer zu fesseln. Wer weiß hier z.B. schon, dass Tupfer in der Medizinstation mit eigenen Händen aus großen Wattebahnen gerollt werden müssen und nicht – wie bei uns – gebrauchsfertig zur Verfügung stehen. Oder dass die Stammessprache – Luo – sehr schwierig ist und etliche Wörter kennt, die – nur minimal anders betont –  etwas völlig anderes heißen: Apwoyo z.B. ist ein afrikanischer Gruß, betont man das Wort aber nur ein wenig anders, so spricht man plötzlich von einem Hasen. Ach ja, übrigens hat Luzia mehrfach versichert, dass die Tupfer nach dem Rollen immer noch desinfiziert werden…

Neben den Geschichten halfen auch die sehr aussagekräftigen Fotos die Zuschauer und -hörer in die Erlebnisse Luzias im Norden Ugandas geradezu hinein zu katapultieren. Bei hin und wieder auch kritischen Anmerkungen spürte man  immer Luzias grundsätzliche Begeisterung für Land und Leute und ihre nächste Reise ist bereits für 2017 geplant. Dann möchte sie evtl. schon ihr Projekt, eine kleine Bücherei für St. Mauritz Obiya Palaro, Wirklichkeit werden lassen. Wenn Sie Luzia dabei helfen wollen, können Sie auf der Homepage der Uganda-Hilfe St. Mauritz nachlesen, wie Sie spenden können.

 

Eine ganz besondere Freude machte allen anwesenden Mauritzern Pater Ernst Schmitt, der Luzia noch als Messdienerin seiner damaligen Gemeinde kennt und es sich nicht nehmen lassen wollte, an ihren Erfahrungen in Uganda teilzuhaben und deshalb in seine alte Gemeinde St. Mauritz gekommen war.

PS:

Übrigens Luzia wird am Pfarrfest am 25.09.2016 mit dabei sein und für ihr Projekt werben:

Die Pfarrbücherei St. Mauritz verkauft Bücher zu Gunsten der Partnergemeinde in Norduganda. Der Erlös geht 1:1 in das Büchereiprojekt von Luzia!!

Luzias Erfahrungen in Uganda

Am letzten Tag vor den Osterferien hatten die Schülerinnen und Schüler der EF des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums noch einen besonderen Termin:

Luzia Bruns, eine junge Medizinstudentin, die ein halbes Jahr in St. Mauritz Obiya Palaro im Norden Ugandas gelebt und gearbeitet hat, ließ mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation ihre Erfahrungen in dem ostafrikanischen Land lebendig werden. Ob es um das ungewohnte Essen – so ist jetzt z.B. die Saison für die fliegenden Ameisen, die in Uganda als Delikatesse gelten und nur kurz angeröstet werden -, um den nach der Sonne strukturierten Tagesablauf oder um die doch zum Teil sehr fremden afrikanischen Sitten und Gebräuche ging, Luzia wusste wovon sie sprach und erzählte sehr lebendig und anschaulich.

Luzia hat, da sie Medizin studiert, vor allem in der Medizinstation geholfen; besonders interessant fand sie die Impfaktionen, die im Busch in umliegenden Dörfern durchgeführt wurden und die sie begleiten konnte. Das Wichtigste dabei ist, den Menschen die Angst vor den Ärzten und Schwestern zu nehmen und so wird jeder, der sich impfen lässt, mit langem Applaus bedacht. Darüber hinaus hat die Behandlung von Malaria Luzias Alltag geprägt, Malaria ist noch immer allgegenwärtig und nach wie vor eine der Geißeln Afrikas.

Luzia hat ihre Zeit in St. Mauritz Obiya Palaro sehr genossen, ihre Begeisterung kam immer wieder durch. Sie hat dort auch eine eigenes kleines Projekt ins Leben gerufen: Sie möchte auf dem Gelände eine Bücherei einrichten; den Raum dafür gibt es bereits, jetzt sammelt sie Spenden, um Bücher anschaffen zu können. Luzia wird auf jeden Fall wieder nach Uganda fliegen, wahrscheinlich schon im Spätsommer diesen Jahres.

Das Interesse der Schülerinnen und Schüler war groß und einige erkundigten sich sogar sehr genau, wie das denn geht, wenn man eine Zeit im Projekt in Ostuganda leben und helfen möchte. Nicola aus der Q1 ist bereits fest entschlossen und hatte Gelegenheit, Luzia nach der 6. Stunde zu treffen, um sich mit ihr auszutauschen und Genaueres von ihr zu erfahren.

Auch eine Klasse der SEK I konnte bei Luzias Vortrag dabei zu sein. Und wenn im Sommer die Schülerinnen und Schüler der SEK I am Tag für Afrika – wie in den letzten Jahren auch – arbeiten gehen werden, um so Spenden für Kinder und Jugendliche in Afrika zu sammeln, hat die 8. Klasse nach Luzias Vortrag eine sehr genaue Vorstellung davon, wofür sie sich einsetzen. Und 50 % der gesammelten und erarbeiteten Gelder werden wieder in das schuleigene Uganda-Projekt fließen.

Ein Jahr später – Büchereiprojekt – von Luzia B.

Hallo zusammen, nach über einem Jahr melde ich mich mal wieder. Denn ich hatte großes Glück und konnte die Semesterferien tastsächlich nutzen, um dem schönen Uganda einen weiteren ausführlichen Besuch abzustatten (1 ganzer Monat).

Ich bin also am 30.08.2017 in Düsseldorf aufgebrochen und befand mich einen Tag später in Entebbe. Wie auch schon letztes Mal wurde ich dort herzlichst von Fr. Cyprian empfangen, dieses Mal in Begleitung von Sabrina, die sich freiwillig bereit erklärt hatte, ihn nach Entebbe und ins furchtbar staubige und von Stau geplagte Kampala zu begleiten. Denn die Mission war nicht nur mich in Empfang zu nehmen, sondern auch viele, viele Bücher für „mein“ Büchereiprojekt zu besorgen, weswegen wir uns auch dazu entschieden, eine Nacht in Kampala zu verbringen, um am nächsten Tag ausgeruht durchstarten zu können.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal in aller Form dafür bedanken, dass so viele einen Gedanken und Geld für meine Idee übrig hatten, die ich vor über einem Jahr mit nach Hause brachte. Dass das Projekt jetzt wirklich Form annehmen kann, ist einfach toll.

Nachdem wir uns also ordentlich ausgeruht hatten, konnten wir nach dem Frühstück mit der typischen Erdnusspaste (Odi) endlich losfahren. Da unsere Shoppingtour auf einen muslimischen Feiertag fiel, hatten die großen Geschäfte zu unserem Glück auf, aber die Straßen waren etwas leerer als sonst. Wir fuhren also ohne große Stauunterbrechungen zu einem Buchladen, der für Uganda wirklich groß war. Ich war erstaunt über den gut sortierten Aufbau des Ladens. Das einzige Problem war, dass die Bücher dort teilweise nicht so gut gelagert wurden und auch länger im Laden standen, da es hier selbstverständlich deutlich weniger Kunden gibt. Somit sahen selbst neue Bücher teilweise sehr alt aus. Aber der Großteil sah wie neu aus, wir hatten also eine riesige Auswahl an Büchern. Umso besser war es, dass ich in Begleitung dort war. Ich hätte sonst große Probleme gehabt mich für Bücher zu entscheiden. Judith und Sabrina hatten im Vorfeld schon ein paar Wünsche von den Lehrern in St. Mauritz gesammelt und eine Liste erstellt. Die meisten Bücher suchten wir allerdings vor Ort aus. Am Ende standen wir also mit Körben voll Büchern an der Kasse, was für große Augen bei den Kassiererinnen sorgte, für den längsten Beleg den ich je gesehen habe und rund 180 Bücher, die sich nun im Besitz der Bücherei St. Mauritz befinden. Wir packten also alles in Pappkartons, räumten diese ins Auto und traten unseren Rückweg an.

Meine Aufgabe in den nächsten Tagen bestand nun darin, die Bücher für ein Leben in der Bücherei vorzubereiten. Mit meinem „Büchereifachwissen“, was mir netterweise vorher in kurzer Zeit von Frau Jungkamp beigebracht wurde, die durch lange Kirchenbücherei-Erfahrung die perfekte Ansprechpartnerin war, nummerierte ich also die Bücher durch, gab ihnen einen St. Mauritz Stempel, teilte ihnen eine Ausleihkarte zu, etc. Da allerdings schon so einige Bücher in St. Mauritz auf mich warteten (Kinderbibeln, etc.) und wir damit schon die 270 überschritten haben, war das doch eine recht mühselige Angelegenheit. Allerdings wurde sie gefolgt von einer viel schlimmeren Aufgabe. Dem EINFOLIEREN. Dazu kann ich nur sagen: Es ist ein Albtraum. Da ich aber weiß, was am Ende dabei rumkommt, ertrage ich es und mache zwischendurch immer mal ein paar Pausen, bspw. um zu essen.  Es ist toll, mal wieder die typischen Ugandaspezialitäten essen zu können. Ganz besonders gefehlt haben mir allerdings die ganzen Früchte und natürlich mein geliebtes Zuckerrohr. Zurzeit beherrschen Avocados und Ananas die Märkte, aber auch die restliche Fruchtpalette ist wie immer vorhanden. Somit wird mein Gaumen durch diverse Früchte und Fruchtsäfte verwöhnt. Das entschädigt mich auf jeden Fall auch für das zeitraubende Einwickeln der Bücher.

Einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung „fertige Bücherei“ haben wir letzten Donnerstag gemacht. Wir haben nämlich in Gulu die Tische und Bänke für die Bücherei bestellt, die dann auch schon diesen Montag angekommen sind. Mit den Bücherregalen, die eigens in St. Mauritz gebaut wurden, sieht es jetzt schon wirklich nach etwas aus. Ich hoffe, dass ich am Wochenende endlich mit den Büchern fertig werde und die Bücherei dann einräumen und ein paar dekorative Poster an den frisch gestrichenen Wänden aufhängen kann. Da vor meiner Ankunft bereits ein toller neuer Boden verlegt wurde, ist es dann sogar schon fast „gemütlich“. Vielleicht können wir pünktlich zum Schulstart am Montag, die Bücherei mit ein paar Schulkindern nutzen.

Abgesehen von der Bücherei verändert sich natürlich auch noch so einiges anderes in Obiya Palaro:

Ganz besonders beeindruckend ist natürlich der Baufortschritt des Krankenhauses. Letztes Jahr war ich dabei, als es losging und man hauptsächlich Löcher in der Erde gesehen hat und jetzt kann man schon problemlos auf dem Dach spazieren. Jetzt muss sich noch um das „Innenleben“ gekümmert werden und dann ist in Obiya Palaro tatsächlich der erste Stock eines Krankenhauses entstanden.

Trotz all der guten Sachen, waren die letzten Tage etwas traurig, wobei es emotional vielleicht eher trifft. Denn wir mussten viele Abschiede hinter uns bringen. Sabrina und Judith haben sich, kaum dass ich gekommen bin, doch glatt aus dem Staub gemacht. Ihre Zeit in Obiya ging zu Ende.

Es begann alles am letzten Freitag mit einem Mädelsabend mit unseren ugandischen Freundinnen, um in Sabrinas Geburtstag reinzufeiern. Auch mit von der Partie war natürlich Judiths Freund Christian, der uns auch am folgenden Tag beim Projekt „Geburtstagsessen“ tatkräftig unterstützt hat. Wir hatten bereits am Freitag ordentlich eingekauft, um am Samstag für ein paar Geburtstagsgäste und natürlich für Sabrina ein wenig deutsches Essen zu kochen und es war ein voller Erfolg. Zumindest leuchteten so manche Augen. Am Sonntag folgte dann die offizielle Verabschiedung der beiden, bestehend aus dem üblichen Messenmarathon, einem großen Essen und gemütlichem Zusammensitzen (mit gelegentlichen Tanzeinlagen).

Im Rahmen dieser Feierlichkeiten ist es zwar etwas untergegangen, aber es sollte natürlich nicht unerwähnt bleiben: Endlich haben die Musikinstrumente den Weg aus dem blauen Koffer in die Hände der St. Mauritz Band gefunden. Und die hat sich wirklich gefreut wie Bolle, als die ganzen Blasinstrumente aus der Luftpolsterfolie zum Vorschein kamen. Sofort wurde natürlich ein wenig Musik zum Besten gegeben und alle waren wirklich erleichtert, dass diese vom Pech verfolgten Instrumente endlich ihren Platz gefunden haben.

Am Dienstag war es dann leider so weit. Alle Sachen wurden im Auto verstaut, ebenso alle Menschen und mal wieder ging es in Richtung meiner „absoluten“ Lieblingsstadt: Kampala. Wir fuhren also nach Entebbe und lieferten Sabrina erfolgreich am Flughafen ab, Judith und Christian hatten noch das große Glück,  zwei weitere Tage in Uganda zu haben und erst am Donnerstagabend zu fliegen. Wir nutzten den Mittwoch sehr erfolgreich um etwas zu relaxen und zwar nicht irgendwo, sondern am Viktoriasee. Dieses Gewässer bringt mich durch seine Wellen, seine unfassbare Größe, die Inseln und den leckeren Tilapia einfach immer wieder zum Staunen. Ich könnte dort wirklich „ewig“ sitzen. Noch wünschenswerter wäre allerdings so ein Ausblick von meinem Balkon in Hannover. Aber naja… das ist ja nun nicht der Fall.

Heute sind dann auch die beiden anderen Richtung Heimat aufgebrochen, natürlich nicht ohne vorher  noch einmal den Taschentuchverbrauch am Flughafen in die Höhe getrieben zu haben. Kevin, Fr. Cyprian und ich befinden uns gerade auf dem Rückweg nach Gulu und haben noch so einiges an Strecke vor uns, nachdem wir gerade ca. vier Stunden durch Kampala gebraucht haben.

Somit sende ich erschöpfte, liebe Grüße aus Uganda und sage wie immer: „Apwoyo matek!“

Bye, bye Obiya – I will come back next year – von Luzia B. September 2017

Da habe ich es gerade geschafft zweimal zu blinzeln und schon ist ein ganzer Monat vorbei. Es ist wirklich schrecklich, wie die Zeit auch dieses Mal gerannt ist.  Dass die Zeit so schnell verstrichen ist, liegt natürlich zum Teil auch daran, dass viel passiert ist und viel gearbeitet wurde.

Nachdem wir aus Kampala zurückgekehrt sind, ging es am nächsten Tag natürlich sofort mit der Arbeit weiter und in der Tat konnte ich endlich das Einfolieren beenden. Das musste natürlich gefeiert werden. Wurde es aber ausnahmsweise mal nicht, denn Fr. Cyprian und ich hatten uns durch die Klimaanlage des Autos beide eine ganz traumhafte Erkältung zugezogen, sodass St. Mauritz gedacht haben muss, wir hätten uns nun hauseigene Elefanten angeschafft. Also wurde an diesem Abend nur ganz klassisch der Fernseher angeschaltet und NTV geschaut, was einen durchaus auch amüsieren kann. Denn die Nachrichten in Uganda sind natürlich voll mit vielen Neuigkeiten aus dem Parlament. Zwar sind die Themen eigentlich nicht zum Lachen und lassen einen häufig eher schlucken. Wenn dann aber wieder Szenen aus dem Parlament gezeigt werden, dann kann ich mir manchmal das Grinsen einfach nicht verkneifen und die Ugander auch nicht. Wenn Parlamentarier durch das ganze Gebäude gejagt werden, nur weil sie ein rotes Tuch mit reingeschmuggelt haben und dabei die Nationalhymne singen und es bei den Diskussionen so laut wird, dass „Madame Speaker“ mit ihrer goldenen, kindergartenartigen Glocke nicht mehr für Ruhe sorgen kann und verzweifelt „Order, Order!“ ruft (und ihr die Perücke fast vom Kopf fällt), dann hat das Ganze leider einfach einen leichten Hauch von Komik. Aber wie gesagt, dass Thema ist zurzeit ein sehr kritisches. Es geht um das Presidential Age Limit von 75 Jahren, welches in der Konstitution festgelegt ist. Die Regierungspartei, die NRM, bekam von ihrem Präsidenten Museveni dezent ins Ohr geflüstert, man könnte das Age Limit doch ruhig auch mal entfernen. Hauptsache man kann ein Land lebenslang regieren und lenken und dann am besten weitervererben. Naja… gesagt, getan. Der Gesetzesentwurf steht und jetzt soll abgestimmt werden. Dass die Opposition die Idee nicht ganz so spitze findet, kann man sich ja wohl denken. Somit ist es in den letzten Tagen im Parlament und auch auf den Straßen sehr unruhig gewesen. NGO-Mitarbeiter wurden verhaftet, auf demonstrierende Studenten wurde geschossen, der Lord Mayor von Kampala wurde (während er eine Pro-Age Limit-Rede hielt) vor seinem Haus brutal von der Polizei abgeführt und Besigye wurde, bevor er überhaupt anfangen konnte irgendetwas zu sagen, einfach in seinem Auto abgeschleppt. Eigentlich sollte gestern abgestimmt werden. Die Diskussion verlief allerdings eher stockend. Erst bestand der Verdacht, dass NRM Mitglieder Waffen mit ins Parlament gebracht haben, die Opposition wurde also solange nicht ruhig, bis nicht alle Parlamentarier einmal durchsucht wurden. Irgendwann brach dann ein Faustkampf aus, Stühle wurden geschmissen. Aber auch das legte sich wieder. Als dann aber die Opposition anfing die Nationalhymne zu singen und zu tanzen, da beschloss „Madame Speaker“  (natürlich auch von der NRM), dass es ihr für heute zu viel ist und schloss das Parlament. Man darf also die nächsten Tage weiterhin gespannt bleiben, was so passiert. Es scheint nicht so, als würde die Opposition sich beruhigen.

Es gibt zwar eigentlich noch mehr Interessantes aus politischer und nationaler Sicht, aber ich sollte mal zurück zum eigentlichen Thema kommen: Was ist in St. Mauritz so passiert?

Zusätzlich mit unserer Erkältung, kam auch wieder viel Regen. Ich persönlich liebe den afrikanischen Starkregen, allerdings verzögert er hier einfach viele Prozesse. Unter anderem verhinderte er auch das Fertigwerden meiner Bücherregale, denn man arbeitet hier natürlich draußen und im Regen macht das ja dann keiner gerne. Mittlerweile sind sie allerdings fertig und stehen in der Bücherei. Und nicht nur das. Sie sind natürlich auch mit den Büchern gefüllt. Gemeinsam mit der ersten feststehenden Mitarbeiterin der Bücherei, der lieben Jessica (eine Lehramtsstudentin für Geschichte und Religion), habe ich die Bücher einsortiert, ein paar schöne Poster auf gehangen, Büchereiregeln festgelegt etc. Und jetzt ist endlich alles fertig.

Natürlich bekam ich auch von vielen anderen Hilfe. Unter anderem vom eigens geformten Büchereikomitee, welches ein bisschen auf das Projekt aufpasst. Wer ist da so drin? Meine gute Freundin Innocent, eine Lehrerin unserer Primary School, Dr. Loum, ein Lehrer der Medical School Gulu aus St. Mauritz, Andrew, ein Jurastudent und aktiver Teil der „Youth“ in St. Mauritz und natürlich Jessica. Ich bin wirklich froh, dass sich diese engagierten, lieben Menschen für diese freiwillige Arbeit gefunden haben. Dankeschön!

Heute an meinem letzten Tag, sind wir dann auch endlich nochmal aufgebrochen, um Bücher in der lokalen Sprache, Acholi, zu besorgen. Wir haben die Geschichten bei einer Druckerei in Auftrag gegeben, denn in der Tat ist das günstiger und die „Auswahl“ an Büchern ist größer. Häufig sind in den Läden nämlich nicht viele der traditionellen Geschichten zu finden. Einziges Problem ist nur, dass die Druckerei wahrscheinlich erst zum Ende des Jahres drucken wird, weil sie immer erst Bestellungen sammeln. Aber was soll‘s, das ist halt Uganda. Zum Glück konnte uns aber noch Fr. Sebastian, der zur Zeit Dienstälteste Priester in Gulu und Umgebung, mit einigen seiner selbstgeschriebenen Büchern versorgen. Diese haben häufig etwas mit Traditionen zu tun und werden dann mit Geschichten verknüpft. Themen sind zum Beispiel die traditionellen Namen und der Brauch der „Hexendoktoren“.

Und nicht nur die Bücherei ist fertig geworden, sondern auch das Dach des Krankenhauses ist vollständig beendet worden. Nun muss das ganze ca. 20 Tage trocknen und dann kann mit dem Inneren des Hauses begonnen werden. Fr. Cyprian ist damit eine große Last von den Schultern gefallen und das hat er auch sogleich dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er den wirklich hart schuftenden Arbeitern der Baustelle eine Ziege zum Essen spendiert hat. Somit ist alles pünktlich zu meiner Abreise beendet worden.

Eine Sache nimmt jetzt allerdings erst richtig Fahrt auf: die Vorbereitungen für das große 25jährige Jubiläum im Oktober. Das Ganze wird zwar schon seit Monaten geplant, jetzt geht es allerdings so richtig rund. Abgesehen davon, dass die Leute aus der Umgebung schon ihre ersten Essensspenden in Form von Ziegen, Hühnern und anderen langlebigen Produkten vorbeibringen, werden nun auch Sachen diskutiert, wie die Gestaltung von Bannern, die Notfallplanung, falls es regnen sollte und und und…! Das wird also eine riesige Fete und Cyprian erzählte mir gestern, dass bis zu 3000 Leute erwartet werden. Denn zusätzlich zum Projektjubiläum wird auch noch Bischof Sabinos 60. Geburtstag gefeiert. Ich bin also schon ein klein wenig neidisch auf die glücklichen Gäste im Oktober, diese Sause hätte ich gerne miterlebt.

Heute Abend wird es nochmal ein klein wenig traurig. Ich verabschiede mich heute Abend in gemütlicher Runde von ein paar Freunden hier. Schon letzte Woche ging das verabschieden los -Essen mit Innocents Familie (vor allem mit ihren immer noch zuckersüßen Kindern), ein Besuch bei Kevins Brüdern Simon und Allan und ganz wichtig: ein Besuch bei Kevins restlicher Familie, die mittlerweile etwas außerhalb von Gulu wohnt: in Koch. Wir sind Samstagmorgen auf einem Boda Boda aufgebrochen (damit braucht man ca. 20 Minuten) und als wir ankamen wurde ich natürlich wie immer sehr herzlich begrüßt. Relativ schnell wurde die Sitzmatte ausgerollt, Softdrinks wurden geöffnet und wir stiegen mit in die Essensvorbereitungen ein (Reis sortieren, Kartoffeln schälen etc.). ganz besonders stark beäugt wurde ich von der kleinen Luzia, die ja letztes Jahr während meines Aufenthaltes geboren und dann prompt nach mir benannt wurde. Ich glaube so ganz koscher war ich ihr nicht, aber geweint hat sie zumindest auch nicht. Von ihrer Mutter stark bemängelt wurde der Fakt, dass sie zwar meinen Namen, allerdings nicht mein Haarwachstum angenommen habe. Ich bekam nach dem ausführlichen Essen, dann auch noch eine persönliche Koch-Führung (entlang der diversen Gemüse-, Getreide-, Nussfelder etc.) und wurde dann mit vielen lieben Grüßen und 2 Litern Erdnusspaste im Gepäck entlassen.

Diese lieben Grüße möchte ich euch, liebe Leser, auch noch einmal ausrichten. Ich werde jetzt meinen Laptop schließen und den letzten Abend genießen. Ich hoffe stark, dass ich 2018 in meinen Früjahrssemesterferien wieder für einen Monat kommen und dann auch wieder berichten kann.

Also: Apwoyo matek!