Sophie B. und Steffen L. (November 2017- April 2018)

Liebe LeserInnen und Gemeindemitglieder,

wir, das sind Sophie B. und Steffen L. erwarten voller Vorfreude unseren fünfeinhalb monatigen Aufenthalt in Obiya Palaro. Die Impfungen sind abgeschlossen und die Koffer sind so gut wie gepackt.  Es kann also am Montag endlich losgehen!

Zunächst möchten wir uns ganz kurz vorstellen: Sophie ist 22 Jahre alt und studiert Medizintechnik in Münster. Steffen, 24 Jahre, hat grade sein Bauingenieurstudium beendet.

Wir freuen uns schon sehr auf alle Erfahrungen, Eindrücke und Menschen, die unsere Zeit prägen werden.  Zu guter Letzt hoffen wir auf ein wenig Glück bei der Gepäckkontrolle am Flughafen, damit das Blasorchester in Obiya eine neue Tuba bekommt!

16.11.2017 – Die ersten Tage in Obiya Palaro

Irii Maber? Atyo maber –  aus Uganda. Das heißt so viel wie „Guten Morgen, wie geht’s dir?“- „Mir geht’s gut“ Uns geht’s tatsächlich sehr gut! Nun ist schon unser dritter Tag in Ugandas Norden, aber fehlendes Internet und wenig Zeit haben einen bisherigen Block-Eintrag verhindert.

Unsere Reise über Frankfurt und Addis Abeba endete schließlich in Entebbe, wo Father David aus der Nachbargemeinde von Obiya Palaro uns schon erwartete! Nun begann der eindrucksvollste Teil unserer langen langen Reise! In Kampala kann man kaum einen Meter fahren, ohne von fünf Motorrädern geschnitten und von zehn Verkehrsteilnehmern angehupt zu werden. Fr. David war dabei keine Ausnahme und brachte uns so sicher durch die verstopfte Hauptstadt. Danach ging es  strikt nach Norden in Richtung Gulu. In einer der zahlreichen Siedlungen, in denen sich der komplette Alltag am Straßenrand abspielt, ließ uns Fr. David zum ersten Mal das köstlich-süße Obst Ugandas testen. Kaum hatten wir mit dem Auto angehalten, wurden wir von unzähligen Händlern belagert! Weiter ging der wilde Ritt – Fr. David hat alle Verkehrsteilnehmer abgehängt, damit wir kurz vor dem Sonnenuntergang noch einen Blick auf die Karuma Falls erhaschen könnten, wo die gewaltigen Wassermassen des Nils unter unserer Straße durchrauschten.

In Obiya Palaro endlich angekommen, begrüßte uns Fr. Cyprian sehr herzlich und wir genossen unsere ersten typisch ugandischen Gerichte. Dazu gab es ein kühles frisches Nile-Bier – „Yok“!

Am nächsten Tag saßen wir um sechs Uhr früh senkrecht im Bett, als die Kirchenglocken, lauter und länger als erwartet, ertönten! Jeden Morgen um sieben Uhr gibt es einen kleinen Gottesdienst mit Cyprian. Es war herzerwärmend zu sehen, wie oft über fünfzig Kindergartenkinder auf ihn zustürmten, als der Segen verteilt wurde! Ein guter Start in den Tag 🙂

Anschließend gab es eine kleine Führung über das große Gelände. Überall wurden wir freundlich und herzlich empfangen. Hoffentlich können wir uns diese ganzen Namen schnell merken.

Abends haben wir der Fußballmannschaft von Obiya Palaro bei ihrem abendlichen Training zugeguckt. Steffen wurde direkt eingeladen, am nächsten Tag dazu zustoßen. Heute, an unserem dritten Tag in Uganda, haben wir einen ersten Einblick in unseren künftigen Arbeitsalltag bekommen. Im Health Centre kamen Groß und Klein um eine Diagnose und Behandlung zu bekommen. Dafür werden viele verschiedene Tests gemacht. Zum Glück gab es heute keine Malaria-Patienten. Besonders erleichtert waren wir, als die Testergebnisse eines dreijährigen Jungen und die einer 81-jährigen Frau negativ ausfielen!

Wie angekündigt hat Steffen heute sein erstes Fußball-Training bestritten. Die lauffreudigen Ugander brachten ihn ordentlich ins Schwitzen, allerdings können sie sich vom taktik-geprägten deutschen Fußball noch was abgucken. Steffens Mannschaft konnte am Ende mit einem erfreulichen 5:1-Sieg zum Abendessen verschwinden. In den nächsten Tagen werden wir uns weiter mit unseren mitgebrachten Fußbällen beliebt machen 😉

18.11.2017 – Der Alltag beginnt

Wow, schon wieder zwei Tage vorbei! Heute ist auch hier Wochenende. Gestern wurde weiter im Health Center untersucht, getestet und behandelt. Mittlerweile können wir auch fast alle Namen unserer Arbeitskollegen. Es macht wirklich großen Spaß im Laboratory mitzuhelfen. Obwohl es im Moment eher zugucken und lernen heißt. George, oder Boii, wie der Laborassistent auch genannt wird, ist sehr geduldig und erklärt alles. Heute hab ich meinen ersten Malaria-Parasiten unter dem Mikroskop erkannt und bin direkt zu Steffen gelaufen um ihm ihn auch zu zeigen! George sagt, seit er im Health Center arbeitet, sind die Malariafälle zurückgegangen. Das liegt wohl an der besser werdenden medizinischen Versorgung und einer flächendeckenderen Nutzung von Moskito-Netzen über dem Bett. Die übertragenden Moskitos fliegen nämlich hauptsächlich nachts.

Am Nachmittag dann ist Fr. Cyprian mit uns ein erstes Mal nach Gulu gefahren. Er wollte uns sie Stadt kurz zeigen, bevor wir auf eigene Faust dorthin fahren. Außerdem wollte er uns helfen eine neue SIM-Karte zu besorgen. Anschließend sind wir zu St. Rosary, der Gemeinde von Fr. David und Fr. Eric, mitten im Herzen von Gulu gefahren. Das war ein sehr lustiger Abend und es wurde viel gelacht. Die drei kennen sich schon ewig und haben tausend lustige Geschichten parat. Oft wird aber auch kritisch über die politische Situation in Uganda und besonders aktuell in Simbabwe gesprochen.

Heute ist Samstag, also Wochenende. Es ist auf einmal ganz ungewohnt still während und nach dem morgendlichen Gottesdienst, weil der Kindergarten zu hat. Steffen und ich nutzen den Vormittag um unsere Jungfernfahrt mit einem Boda Boda, also einem kleinen Motorrad-Taxi, zu bestreiten. Wir wollen noch einmal nach Gulu Town, da meine SIM-Karte nicht funktioniert. In Gulu ist alles voller Menschen und Händler, die einem alles verkaufen können. Im Anschluss an den Telefon-Laden gehen wir in die riesige Markt-Halle. Steffen liebäugelt mit dem gelben, gefälschten Uganda-Trikot, das dort für umgerechnet 4 € angeboten wird. Es ist knallgelb. Vielleicht nächstes Mal 🙂

So, was der Abend bringt, werden wir noch sehen, wir gehen jetzt erstmal eine Runde im Dorf spazieren.

Viele Grüße ins kalte Deutschland,

Steffen und Sophie

21.11.2017

Das Wochenende über haben wir uns mit der ugandischen Lebensweise vertraut gemacht. So ging es zweimal per Boda Boda in die Stadt. Probleme mit dem heimischen Telefonanbieter konnten wir im wahrsten Sinne des Wortes aussitzen und die restlichen Utensilien, die man im Alltag benötigt, konnten wir sogar am Sonntagabend in Gulu noch besorgen. Zuvor kam uns die Ehre zu Teil, uns vor der versammelten Gemeinde gleich in zwei aufeinander folgenden Gottesdiensten vorzustellen. Es kommt hier in Uganda durchaus vor, dass in der Messe laut gelacht wird. Was für uns Deutsche untypisch erscheint, offenbarte sich als durchaus modern und zeitnah. Montag ging es schließlich wieder zur Arbeit. Sophie musste bereits einige Krankheiten identifizieren und es fällt ihr immer leichter die kleinen Bakterien zu unterscheiden. Die seltenen Einblicke in die mikroskopisch kleinen und 100-fach vergrößerten Zellen, Parasiten und Eier bleiben für mich, aufgrund mangelnder Kenntnisse, jedoch reine Kaffeesatz – Leserei. Dennoch komme auch ich nicht drum herum, nicht im Health Centre II zu arbeiten. Hier vor Ort gibt es nur einen einzigen Fahrer für den Krankenwagen. Dieser hat kurzerhand entschieden mir das Fahren des Krankenwagens beizubringen. Was erstmal relativ leicht klingt, stellte für mich bereits in der ersten Fahrstunde eine große Herausforderung dar. Bei extrem hügeliger Straße, fehlendem Asphalt und Linksverkehr wurde ich zu Beginn sogar noch von den Boda Bodas überholt. Frei nach dem Motto, „aufgrund schlechter Straßenverhältnisse ist noch niemand gestorben, an langsamen Ambulanzfahrern schon“ wurde mir eindrucksvoll die mutige Fahrweise erklärt und vorgeführt. Die Ausbildung zu einem Krankenwagenfahrer in Uganda wird sich noch ein paar Wochen hinziehen.

25.11.2017

Der zweite Teil der Woche war voller außergewöhnlicher Ereignisse. Am Donnerstagmorgen nach dem Gottesdienst hat Fr. Cyprian uns in eine Nachbargemeinde mitgenommen. Dort wurde eine neue Kirche eröffnet. Dafür sind rund 2000 Gäste, 10 Priester und sogar der Erzbischof von Gulu, John Baptiste Odama, angereist. Nachdem die bunte Kirche feierlich eröffnet war, wurde ein 7,5-stündiger (!) Gottesdienst draußen gefeiert. Es wurde gesungen, getanzt, gelacht und viel, viel Acholi gesprochen – es wird wirklich Zeit für unsere Acholi-Stunden! 169 Erstkommunionen, zwei Hochzeiten und die Graduation von fünf Katecheten später, hatten wir es geschafft. Dass wir kaum ein Wort in dieser Messe verstanden haben, ließen wir uns selbstverständlich nicht anmerken. Im Anschluss gab es Essen. Das bedeutet, dass ungefähr 10 Frauen den ganzen Tag gekocht haben, um dann die 2000 Gäste zu verköstigen. Am Buffet haben wir verzweifelt nach Besteck Ausschau gehalten, doch spätestens als wir den Erzbischof genüsslich seinen Hähnchenflügel abnagen sahen, war klar, dass wir den Teller mit den bloßen Händen leeressen mussten. Der Teller war gefüllt mit Reis, Bohnen, Hühnchen, Spinat und Fleisch, welches nur schwer einem Tier zugeordnet werden konnte. Also absolut ungeeignet für ungeübte Europäer. Fr. Cyprian und der Erzbischof haben sich köstlich amüsiert, als wir ungeschickt Bohnen, Soße und Reis mit dem Zeigefinger vermengten! Nach dem leckeren Mahl sind wir noch zu der naheliegenden Gemeinde in Anaka gefahren. Einem gemütlichen Feierabend-Bier folgte das zweite Abendessen. Wieder mit Erzbischof Odama. Wirklich eine Ehre! In seiner Predigt, der einzige englische Teil der Messe, hat er unter anderem über Bildung von Jungen und Mädchen als wichtiges Gut für die Zukunft gesprochen und beim Essen diskutierte er über wichtige politische Themen in Afrika – er ist wirklich ein großer Mann. Er hat uns sogar zu seinem Sitz in Gulu eingeladen und Cyprian versprochen im nächsten Jahr drei Tage in St. Mauritz zu verbringen.

Am Freitag dann stand das nächste große Fest in St. Mauritz an: die ältesten Vorschulkinder haben ihren Abschluss und gehen im nächsten Jahr auf die Primary School. Die Eltern hatten dafür ein wirklich schönes Fest organisiert. Mindestens 1000 Kinder und Eltern marschierten im Takt der Brass Band um das Dorf. Danach wurde wieder gesungen und getanzt.

Und heute, am Samstag nutzen wir die Gelegenheit um die erlebten Tage etwas sacken zu lassen. Nach fast zwei Wochen konnten wir die ersten Regentropfen auf unserer Haut genießen. In der nun beginnenden Trockenzeit wird es nach Aussagen der Einheimischen monatlich wohl nur noch einmal regnet. Mit dieser sehr frühzeitigen Prognose für hervorragendes Weihnachts- und Neujahrswetter in Gulu, grüßen wir gerne das durch Schmuddelwetter geplagte Deutschland 😉

10.12.2017

Die Wochen fliegen förmlich davon! Dienstag sind wir bereits vier Wochen in Uganda. Für uns gibt es hier wirklich eine Menge zu tun. Dennoch sind wir frohen Mutes, dass die Arbeiten auf der Baustelle in naher Zukunft weitergehen. In den vergangenen Wochen haben uns sehr viele Menschen gesagt, dass das Krankenhaus ein großer Segen für die Region sein wird. Die Notwendigkeit des Krankenhauses steht hier definitiv außer Frage!

Am Samstag besuchten wir einen Freund, der einen kleinen Workshop betreibt, indem Schulabbrecher handwerkliche Tätigkeiten erlernen können. So können die Schulabbrecher ein geringes Einkommen generieren. Das Projekt wird finanziell unterstützt und am Ende des Lehrgangs muss eine Prüfung abgelegt werden, die zertifiziert wird. Wir probierten uns selbst an einem kleinen ledernen Schlüsselanhänger.

Am vergangenen Montag besuchten wir Cyprians Eltern auf dem Land. Eine große Ehre für uns. Obwohl seine Eltern kein Wort Englisch sprechen, spürten wir sehr deutlich ihre Gastfreundlichkeit. Das Leben dort übertrifft jede Beschreibung vom ländlichen afrikanischen Dasein. Das Grundstück ist gewaltig groß, Nachbarn lassen sich auf den ersten Blick nicht feststellen. Als wir von 2 der 10 Geschwister über das Grundstück geführt wurden, erblickten wir zwischen Gräsern und kleinen Feldern auf denen alles wächst was man in Uganda zum Leben braucht, vereinzelte Rundhütten. Öffentliche Strom- und Wasserversorgung sucht man hier selbstverständlich vergeblich. Was in Deutschland unvorstellbar ist, wird hier in Perfektion betrieben: Ein völlig autarkes Leben. Ein Stück Land ist alles was der Ugander dafür braucht. Auf diesem werden Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe, Tauben und Hühner gehalten. Dementsprechend fiel auch die Auswahl für das Gastgeschenk aus. Aber seht selbst auf den Fotos 😉 Gemüse und Früchte wachsen hier ebenfalls zuhauf. Es war ein wirklich spannender und interessanter Aufenthalt in einer völlig natürlichen Region. Wir genossen eine leckere Flasche Nile Bier, als die Sonne langsam am Horizont der flachen Ebene Nordugandas verschwand.

Am Freitag waren wir abends mit Fr. Cyprian Pizza essen. Das war ein Gaumenschmaus! Wir mögen das traditionelle ugandische Essen echt gerne, aber manchmal gelüstet es einen doch nach einer dicken, leckeren Pizza!

 

15.12.2017

Von weihnachtlicher Stimmung kann man immer noch nicht sprechen. Während in Deutschland wieder ein „Schneechaos“ tobt, wird es hier von Tag zu Tag wärmer und trockener.

Die Arbeit macht wirklich großen Spaß und wir kommen gut voran. Die Pläne für das Hospital werden nun immer konkreter und Fr. Cyprian hat ein großes Team an kompetenten Menschen für die Einrichtung und die Betreibung um sich geschart. Natürlich kommen ständig neue Fragen auf. Wie zum Beispiel „Wie viel kosten eigentlich Cruzifixe, die wir über die Türen hängen können“, „Wie steil darf wohl die Rampe auf die Veranda sein?“, „Sollen wir die Klotür wirklich noch umsetzen?“ und „Brauchen wir für den Bevölkerungsteil, der auf Kloschüsseln ungeübt ist, ein Loch im Boden um Unfälle und falsche Benutzung zu vermeiden?“.

Aber auf jede Frage wird die qualifizierteste Antwort gesucht und wir hoffen, dass wir bald zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts zur Tat schreiten können. Während Steffen und Cyprian zwischen den ganzen Ingenieuren vermitteln und Absprachen tätigen, mache ich mir einige Gedanken über die nötige Ausstattung, und die Organisation. Wie werden in Zukunft die Patientenakten geführt und wie kann man den Mitarbeitern am besten dem Umgang mit Computern beibringen…

Letzte Woche haben wir uns eine lokale Schreinerei angeguckt, um Möbel für das Krankenhaus auszusuchen und eventuell in Auftrag zu geben. Ganz verrückt zu sehen, wie viel Mahagoni hier verbaut wird, welches in Deutschland wirklich sehr sehr teuer ist!

Vor einigen Tagen hat Fr. Arasu bei uns übernachtet. Er arbeitet eigentlich auch in einer lokalen Gemeinde in Gulu, doch im Moment hängt sein Herz an einer neuen Gemeinde, die in einem nahegelegenen Flüchtlingscamp entsteht. Er hat einiges aus dem Camp erzählt und uns eingeladen uns von den Zuständen dort ein eigenes Bild zu machen. Ich bin sehr gespannt, aber auch etwas ängstlich, was uns da erwarten könnte. Der Bürgerkrieg im Südsudan vertreibt täglich viele Menschen, die schreckliches erlebt haben. Es ist gut, dass Menschen wie Fr. Arasu sich dort einmischen und den Menschen Alltag und Hoffnung geben.

So, das war‘s dann wohl erstmal von uns, allen einen schönen Start ins dritte Adventswochenende und trinkt einen Glühwein für uns mit!

Steffen und Sophie

23.12.2017

Den heutigen Blog widmen wir dem Thema Weihnachten. Schließlich feiern wir beide dieses Jahr auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Kultur Weihnachten – Da kann man ein paar Worte darüber verlieren.

Wir Deutsche haben eine präzise Vorstellung von Weihnachten und der Weihnachtszeit.

Spekulatius ab August, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, dicke rote Kugeln am Tannenbaum und jeden Tag ein Schokolädchen im Adventskalender. Aber für viele bedeutet diese Zeit auch Stress, lange Arbeitszeiten, überfüllte Läden und unzählige Weihnachtsfeiern, die man nie alle unter einen Hut kriegt. Ganz zu schweigen von den Geschenken. Zwar hat man in dem Moment, wo man sie auspackt wieder vergessen, wie viele Nerven und Geld sie vorher gekostet haben, aber ein paar graue Haare pro Jahr stammen wohl aus der Weihnachtszeit.

Wir können euch sagen, hier ist das alles anders. Bisher wurden wir nur selten an das bald anstehende Fest erinnert. Dieses ganze Brimborium um Geschenke, Deko und Geschichten über den Weihnachtsmann ersparen sich die Ugander. Hier hat Weihnachten noch nicht das kommerzielle Level erreicht, das in Deutschland selbstverständlich ist. Hier feiert man die Geburt Jesu, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Ähnlichkeiten gibt es dennoch. Der Aufwand, der für das abendliche Festessen betrieben wird, ist durchaus vergleichbar. Eventuell toppt Uganda hier Deutschland sogar, denn ich kenne kaum Deutsche, die voller Stolz ihr Schwein selber schlachten und mit der ganzen Familie zubereiten. Seit Wochen sind die Preise für Hühner, Ziegen und Schweine (lebend natürlich) teurer geworden. Nicht umsonst wünscht man sich zu Weihnachten „cam karama maber“, also „Ein leckeres Festessen!“

Zum ersten Weihnachtstag hat Fr. Cyprian uns zu seiner Familie eingeladen. Darauf freuen wir uns ganz besonders. Das Fest der Familie sollte man im Kreise (s)einer Familie feiern.

Wir wünschen euch allen ein gesegnetes und stressfreies Weihnachtsfest und ein leckeres Festmahl!

Bis bald,

Steffen und Sophie

26.12.2017

Frohe Weihnachten!

Wir haben den gröbsten Weihnachtsrummel jetzt schon hinter uns. Es war wirklich ein schönes Fest. Gestern, am ersten Weihnachtstag haben wir zusammen mit Cyprian seine Eltern besucht. Einen ganzen Nachmittag haben wir allen Tieren beim Grasen zugeschaut. Die Highlights waren das kleine Babyschwein, das zwei Tage alte Lamm, das hinter seiner Mama her gestakst ist und die acht kleinen Hundewelpen, die neugierig die Umgebung erkundet haben.

Viel Lob erhielten wir für unser afrikanisches Outfit, das wir zusammen mit unserer Freundin Kevin ausgesucht hatten. Extra zu Weihnachten hat sie uns ihrer Schneiderin vorgestellt, die uns die Klamotten auf den Leib geschneidert hat. Die schrillen Stoffe sind wirklich ein Traum und vermutlich wird es nicht das letzte bunte Kleidungsstück in unserem Schrank bleiben.

Wir genießen heute noch entspannt Steffens Namenstag und fahren mit Cypi zu einem nahegelegenen Fluss, wo wir die Weihnachtszeit mit einem kühlen Bier ausklingen lassen. Vielleicht sehen wir sogar einen kleinen Wasserfall, jedoch wird der Wasserpegel durch die Trockenzeit bestimmt. Der letzte Regen fiel vor über vier Wochen…

01.01.2018

Wir wünschen euch allen ein frohes neues Jahr!

Mit diesem Montag endet eine klasse Woche voller verschiedener Ausflüge.

Angefangen hat die Woche mit dem schon erwähnten Trip zu Cypis Eltern. Am Dienstag dann haben wir uns nachmittags spontan auf den Weg zu den nahe gelegenen Wasserfällen „Aruu Falls“ gemacht. Father Eric und Father Cyprian brauchten nach den stressigen Weihnachtstagen dringend einen Tapetenwechsel. Also düsten wir im Laufe des Nachmittags los. Wie bereits im letzten Blogeintrag angekündigt, hatte Cyprian uns keine großen Hoffnungen gemacht. Es handle sich um einen kleinen Wasserlauf, der nur wenig Wasser führe. Angekommen mussten wir allerdings feststellen, dass mit kleinen Wasserfällen ein rauschender 30 Meter hoher Wasserfall gemeint war! Cypi meinte daraufhin mit einem Achselzucken, dass die Murchison Falls größer seien. Es war wirklich Erholung pur auf den warmen Steinen vor den tosenden Wassermassen zu sitzen.

Am nächsten Tag stand der nächste Ausflug an. Diesem bedeutendsten der Ausflüge werde ich in diesem Blog allerdings die geringste Aufmerksamkeit schenken, da wir darüber noch einen ausführlichen Bericht auf der Homepage veröffentlichen. Soviel sei nur gesagt: ein ganzer Bus junger Ugander macht sich auf den Weg um zum ersten Mal in ihrem Leben die afrikanische Tierwelt zu bestaunen…

Schließlich am Sonntag sind wir mit Kevin und weiteren Freunden von ihr zu einem historischen Sklavenhandelspunkt gefahren. Eine kleine Erhebung nahe Gulu wurde früher von den Arabern als geheimen Sklavenhandelspunkt über mehrere Jahre genutzt. Von hier wurden die gefangenen Sklaven aussortiert und die „schönen und starken“ über die Grenze nach Sudan transportiert. Man konnte sogar die Einkerbungen auf den Steinen sehen, die früher als Exekutionsort genutzt wurden. Die toten Körper wurden achtlos den Berg runterkullern lassen und dort von Löwen und Hyänen aufgefangen. Im 19. Jahrhundert dann hat der Engländer Sir Samuel Baker den Hügel befreit.

Man hatte tatsächlich einen wunderschönen Blick von oben auf das Umland und der gute Führer hat diesen geschichtsträchtigen Ort, der auch zur Zeit der Rebellen als Rückzugsort genutzt wurde, zum Leben erweckt.

Abends haben wir dann mit Kevin in Gulu ins neue Jahr hereingefeiert.

05.01.2018

Freitag 14:03 Uhr: Das Mittagessen ist grade beendet. Wir verspeisen zum Nachtisch genüsslich eine Papaya. Die Stimmung ist ausgelassen, es werden Witze gerissen – schließlich liegt schon ein kleiner Hauch von Wochenende in der Luft. Wir schmieden Pläne für die nächste Woche, als Cyprian plötzlich unkonzentriert und abwesend wirkt. Einem hektischen Seufzer folgt ein Schlag mit der flachen Handinnenseite auf seine maximal-pigmentierte, leicht schwitzende Stirn. Offensichtlich hat er etwas Wichtiges vergessen.

Noch bevor wir wissen worum es sich handelt, sitzen wir mit Schreibutensilien und Messgeräten bewaffnet in seinem Geländewagen. Cyprian lacht. Es macht den Anschein als würde ihm das Kommende gute Laune bereiten. Wir fahren in ein naheliegendes Dorf, das Teil der St. Mauritz Gemeinde ist und ein ambitioniertes Ziel verfolgt: Den Bau einer kleinen Kirche! Wir sollen die Umsetzung unterstützen. In Uganda muss man spontan sein, soviel wissen wir bereits. Dennoch brennen tief in mir und meinem (deutschen) Verständnis vom Bauen einige Fragen, die ich zum Ausdruck bringe. Während der zehnminütigen Autofahrt klären wir die Randbedingungen:

Größe der Kirche?           – Klären wir vor Ort

Standort der Kirche?      – Legen wir vor Ort fest

Kostenpunkt?                   – Es wurden 4.000.000 UGX von der lokalen Bevölkerung gesammelt, etwa 1.000€

Baugenehmigung?         – „Wir bauen auf dem Land, da kann man bauen wie und wo man will“

Auf welchem Fleck der Erde kann man so unbekümmert ein Gebäude planen? Auch wenn das Budget knapp ist, kann man mit dieser Summe in Uganda viel erreichen.

Eine sehr schlechte und staubige Sandpiste führt uns zur Primary School des Dorfes. Nachdem wir trotz der Verspätung sehr herzlich begrüßt werden, erläutert die Schulleiterin die Notwendigkeit einer Kirche. Wir versammeln uns auf dem Vorplatz der Schule. Die Sonne steht nahezu senkrecht am Himmel. Ich frage wo die Kirche errichtet werden soll. Die Schulleiterin deutet mit dem Finger auf eine freie Fläche neben den Schulgebäuden. Die Luft flimmert über dem ausgetrockneten, heißen Boden. Als wir die Stelle erreichen, liegen sämtliche Erwartungen bei uns. Dann geht alles ganz schnell: Wir positionieren einen alten Ziegelstein wahllos senkrecht auf dem Boden. Kurzerhand einigen wir uns auf eine Breite von acht Metern und eine Länge von 14 Metern. Drei weitere Ziegelsteine bilden die Eckpunkte des späteren Gebäudes. Wir winkeln solange hin und her bis schließlich auch die Diagonalen auf den Zentimeter genau stimmen. Vor uns auf dem unebenen und steinigen Boden liegt nun ein Rechteck, markiert durch vier Ziegelsteine, die den Eindruck erwecken schon bei bloßer Reibung mit den Händen in Sand zu zerfallen. Ich sage süffisant: Ungefähr hier könnte einmal eine Kirche stehen. Könnte… Konjunktiv? Das kennt der Ugander nicht. Hier wird angepackt! Noch ehe ich meine Aussage beendet habe, beginnen hinter uns zwei Männer den Umriss frei zu graben. Bauen kann so einfach sein. Es ist keine 45 Minuten her, als wir noch die süßen Schätze des fruchtbaren ugandischen Bodens genossen und jetzt haben wir bereits den Grundstein zur Erstehung eines kleinen Gebetssaals gelegt. Zwischen diesen vier Steinen wird in den kommenden Wochen mit einfachsten Mitteln ein Gebäude entstehen. Die Wände, sagt Cypi, werden wir als letztes ziehen. Falls das Geld vorher ausgeht, reicht es fürs Erste, wenn Fundament, Säulen und Dach stehen.

Es gibt sicherlich nicht mehr viele Orte auf dieser Erde, an denen Spontanität, Theorie und Praxis so frei umsetzbar sind. In Uganda scheint alles möglich zu sein.

Dieser Freitag offenbart uns allerdings auch, dass Cyprian in den letzten zwei Monaten mit seinen Pflichten als Priester, Geschäftsführer, Bauleiter, Deutschlandkorrespondent und Freiwilligen-Babysitter völlig ausgelastet war. Wie könnte sonst ein Priester fast die Planungen zur Vergrößerung der Gemeinde verschlafen, wenn er sich doch seit Jahren mit Herzblut dafür einsetzt, dass die Gemeinde (zusammen-) wächst! Wie passend, dass wir vor einigen Wochen festgelegt haben am Montag in den Süden Ugandas zu reisen. Wir melden uns dann am nächsten Wochenende erholt und mit brandneuen Nachrichten zum Krankenhaus zurück 😊